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Home Sonderthemen Gesamtausgabe Arbeiter-Samariter-Bund Lübeck: Der fruchtbare Gedanke des Helfens
07:10 17.11.2020
Seit 1997 ist der Arbeiter-Samariter-Bund in Genin ansässig.
Foto: ASB

Manchmal braucht es eben doch Anstöße von außen, damit sich etwas bewegt. So stellt es sich jedenfalls beim Regionalverband Lübeck des Arbeiter-Samariter-Bundes (ASB) dar. Dass der in diesem Jahr sein 100. Jubiläum feiern kann, verdankt er einem Helfer aus Hamburg.  

Paul Brahmstedt hieß der Samariter, der um das Jahr 1920 von Hamburg nach Lübeck gezogen war und meinte, dass eigentlich in der einen Hansestadt möglich sein müsste, was es in der anderen immerhin schon seit 1907 gab. Also schritt er zur Tat und hob am 20. November 1920 gemeinsam mit etwa 20 weiteren Gleichgesinnten die ASB-Kolonne Lübeck aus der Taufe. Ob es an der Erfahrung des Neu-Lübeckers lag, der immerhin schon 1908 der Kolonne Hamburg beigetreten war, ist nicht verbürgt. Gewiss ist aber, dass die Lübecker nicht lange zauderten, sondern noch im Dezember 1920 den Arbeitern der Stadt eine Erste-Hilfe-Ausbildung anboten. Der Erfolg war grandios: 70 Interessierte, darunter auch einige Frauen, waren beim Start im Februar dabei, auch deswegen, weil verschiedene Gewerkschaften finanzielle Unterstützung leisteten.

Arbeiter-Samariter-Bund Regionalverband Lübeck

„Arbeitssicherheit war damals ein großes Thema“, betont Andreas Voß, seit 2004 Geschäftsführer des ASB in Lübeck. Kaum Schutzvorkehrungen und ein praktisch nicht vorhandenes Sanitätswesen, das ließ weite Teile der Arbeiterschaft Tag für Tag um Gesundheit und Leben fürchten. Dass sich das änderte, lag nicht zuletzt an Paul Brahmstedt und anderen engagierten Samaritern. 1924 waren bereits 130 Mitglieder dabei, eine erste Unfallstation errichteten sie damals im Kanzleigebäude, wo im 16. Jahrhundert ursprünglich die Lübecker Notare und Ratsschreiber ihrem Tagwerk nachgingen.

Bemerkenswert ist, dass die Kolonne Lübeck ihre Tätigkeit schon früh in den Bereich der allgemeinen sozialen Arbeit ausdehnte. Im Sommer 1925 eröffnete sie im Stadtteil Schlutup ein Kinderheim, das allerdings schon acht Jahre später wie der gesamte ASB von den Nazis aufgelöst wurde.

Wieder zurück auf Null

Mühsam wieder zu berappeln begannen sich die Samariter im Februar 1949. „Zurück auf Null“ lautete die Devise bei der Wiedergründung in einer Baracke in der August-Bebel-Straße, denn wie schon knapp 30 Jahre zuvor waren es abermals 20 Aufrechte, die sich sagten: „Helfen ist unsere Aufgabe.“ Über die folgenden Jahre ist erst einmal recht wenig bekannt. Fest steht nur, dass die Kolonne Lübeck 1967 neue Räume im ehemaligen Bunker Parade 5 bezog.

Sehr detailliert ist die Entwicklung dann seit den Siebzigerjahren festgehalten. Und die warteten – wie zu dieser Zeit die Gesellschaft insgesamt – mit einer wuchtigen Dynamik auf. 1971 erhielt der ASB zwei Fahrzeuge von der Polizei und vom Bundesgrenzschutz, ihren Dienst taten sie fortan bei Sanitäts- und Katastropheneinsätzen. Wie es dann oft so ist, wenn die Ausstattung attraktiver wird, macht sich eine Hilfsorganisation in der Folge interessanter für neue Mitglieder und Aktive. 1979 gehörten schon fast 900 Frauen und Männer aus Lübeck dazu, nachdem 1982 die ersten beiden hauptamtlichen Stellen für den Rettungsdienst und den Krankentransport geschaffen wurden, waren 1984 sogar 2500 Mitglieder an Bord.

Beteiligung am Rettungsdienst

Einen wichtigen Impuls hatte in dieser Entwicklung die bereits Mitte der 1970er-Jahre besiegelte Vereinbarung gesetzt, wonach sich der ASB und andere Organisationen am Rettungsdienst der Stadt beteiligen sollten und wollten. 1985 wurde diese Vereinbarung auf den Krankentransport ausgedehnt, sodass das Aufgabenspektrum entsprechend weiterwuchs.

Immer mehr neue Fahrzeuge, 1989 die ersten vom Landesprüfungsamt für Heilberufe anerkannten Rettungssanitäter, aber auch zahlreiche Akzente in Bereichen außerhalb der klassischen Sanitäts- und Notfallhilfe prägen die Entwicklung des ASB Lübeck bis heute. Die innovative Kita „Gewerbezwerge“ wurde 2011 eröffnet und setzt auf Kooperation mit den Unternehmen des Gewerbegebiets Genin, vom Hausrufnotdienst bis zur Hilfe im Haushalt und dem ambulanten Pflegedienst bietet der ASB Unterstützung für selbstbestimmtes Leben im Alter. Auch die Jugendarbeit und der Schulsanitätsdienst werden in Lübeck großgeschrieben.

Zurückzuführen ist die rasante Entwicklung gerade der jüngeren Vergangenheit auch auf die Tatsache, dass der Ortsverband Lübeck, der übrigens erst seit 2018 Regionalverband heißt, im Jahr 1997 gewissermaßen seine Bunkermentalität aufgegeben hat. Er räumte den seit 1967 genutzten Trutz Bau an der Parade und zog in einen Neubau im Gewerbegebiet Genin. Wesentlich größer seien seither die Möglichkeiten zum Verwalten und ebenso zum Gestalten, betont Geschäftsführer Voß, dessen Regionalverband sich aktuell auf die Solidarität von ungefähr 9000 Mitgliedern verlassen kann.

Das 100-jährige Bestehen des ASB in Lübeck wird aufgrund der Pandemie in diesem Jahr leider nicht mehr gefeiert. Geplant waren für die Öffentlichkeit ein Tag der offenen Tür und ein Festakt in der Musik- und Kongresshalle, zu dem unter anderem ASB-Präsident Franz Müntefering und der frühere Ministerpräsident Björn Engholm erwartet wurden. pa

Arbeiter-Samariter-Bund
Regionalverband Lübeck
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