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Home Sonderthemen Gesamtausgabe „Das Virus wird Teil unseres Lebens bleiben“
15:08 02.11.2020

Die rasante Ausbreitung des Corona-Virus Covid-19 bereitet Medizinern – und nicht nur ihnen – allerorts Sorgen. Auf ihrer Pressekonferenz am Mittwoch stellte die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) ihre gemeinsame Petition von Ärzten und Wissenschaftlern vor. „Was wir brauchen, ist die Kooperation der Bevölkerung“, stellte der Vorsitzende Andreas Gassen klar.

Ärzte und Wissenschaftler sprachen sich einhellig für das konsequente Befolgen der AHA-Regeln + A + L aus. Das bedeutet: Menschen sollten mindestens 1,50 Meter Abstand voneinander halten, jeder sollte regelmäßig die Hände gründlich mit Seife waschen, und sich niemals mit ungewaschenen Händen ins Gesicht fassen. Dort, wo viele Menschen aufeinander treffen, muss die Alltagsmaske in Form eines Mund-Nasen-Schutzes, der Mund und Nase komplett verdeckt, getragen werden „und zwar richtig“. Außerdem plädieren die Mediziner und Wissenschaftler an die Bevölkerung, die Corona-App zu installieren, um mögliche Kontakte mit Infizierten schneller nachvollziehen und Kontaktpersonen informieren zu können. Derzeit können 75 Prozent der Infektionen nicht mehr nachvollzogen werden. Außerdem sollen geschlossene Räume mit mehreren Menschen wie beispielsweise Klassenzimmer regelmäßig gelüftet werden. „Das Virus wird im Januar nicht weg sein und auch nicht im Juni und im Dezember“, so die Einschätzung der KBV. „Die Maske muss sexy werden“, sagt Virologe Hendrick Streeck. „Das Virus wird Teil unseres Lebens bleiben.“

Laut KBV betreuen die Hausärzte täglich 1,8 Millionen Menschen, wovon etwa 850 000 ernsthaft krank seien. 19 von 20 Covid-Patienten werden ambulant in den niedergelassenen Praxen betreut.

Dennoch schlagen auch Intensivmediziner bundesweit Alarm. Vor allem ältere Corona-Patienten müssten häufig stationär auf den Intensivstationen behandelt und zum Teil beatmet werden. Da seien die Kapazitäten innerhalb weniger Wochen aufgebraucht, wenn die Ausbreitung des Virus nicht deutlich verlangsamt werde. Es gebe einen Personalengpass, der dazu führe, dass schon jetzt 20 bis 30 Prozent der Intensivbetten nicht betreibbar seien. Außerdem würde auch immer mehr Personal erkranken.

Covid 19 zu erkennen, ist nicht immer einfach. Viele Ärzte und Krankenhäuser warten auf Schnelltest, wie sie an der Charité in Berlin eingesetzt werden. „Diese Tests sind nur bedingt zuverlässig“, erläutert Prof. Suttrop von der Charité, „und können nur von medizinischem Fachpersonal angewendet werden. Sonst ist der Test nicht verwertbar.“ Damit widersprach er Ideen der KBV, den Schnelltest im häuslichen Bereich einzusetzen, um Risikogruppen zu schützen. „Die bekannten PCR-Tests liefern nach wie vor die zuverlässigsten Ergebnisse“, sagte Suttrop.

Auch ein Impfstoff ist noch nicht greifbar und für die breite Bevölkerung länger nicht verfügbar. Detlef Ganten vom World Health Summit betonte: „Der Impfstoff wird solidarisch weltweit verteilt.“ In Deutschland sollen vorrangig medizinisches und Pflegepersonal geimpft werden. Virologe Thomas Mertens vom Robert-Koch-Institut dämpft ebenfalls: „Schon alleine 100 000 Impfungen pro Tag wären eine Herausforderung.“ Tessa Maiborg
   

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