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Home Sonderthemen Gesamtausgabe Der Ruhestand als ganz persönliches Start-up
12:06 09.10.2020
Volle Fahrt voraus: Senioren dürfen im Alter ruhig noch mal Gas geben. Fotos: Westend61/ contrastwerkstatt - stock.adobe.com

Im Ruhestand die Beine hochlegen und mal halblang machen - das klingt vernünftig. Und etwas langweilig. Dürfen ältere Menschen nicht auch noch ein bisschen verrückt sein?

Jahrelang war Greta Silver Hausfrau gewesen und hatte sich mit Herzenslust um die Kinder gekümmert. Nun stand sie vor den Betten, die gemacht werden wollten, und fragte sich: Läuft hier nicht etwas schief? Sollte mich mein Alltag nicht viel mehr erfüllen – und nicht nur eine Checkliste sein, die ich abhake?

Die beste Gelegenheit für einen Neubeginn

Heute hat die 71-Jährige einen erfolgreichen Youtube-Kanal, ist gefragtes Model und Autorin des Buches „Alt genug, um mich jung zu fühlen“. Sie sagt: „Das Älterwerden empfinde ich als Start-up-Unternehmen. Jetzt kann ich neue Dinge ausprobieren, für die ich vorher keine Zeit hatte. Ich möchte doch nicht mit 100 Jahren denken müssen: Ich habe etwas verpasst.“


"Ist das vernünftig? Sollte man nicht lieber einen Gang zurückschalten?"


So sieht es auch Gerhard Sprakties, Altenseelsorger und Autor des Buchs „Happy-Aging statt Anti-Aging“. Er findet es wichtig, sich schon frühzeitig mit dem Älterwerden zu beschäftigen: „Sonst fällt man im Ruhestand in ein Vakuum.“

„Solange es die körperliche Fitness zulässt muss man nicht zurückschalten“, sagt Prof. Simon Forstmeier, Leiter des Lehrstuhls Klinische Psychologie der Lebensspanne an der Universität Siegen. Studien zeigten, dass Menschen zwischen 60 und 80 Jahren nicht unbedingt weniger wagemutig seien. Was sich häufig ändert, seien die Bedürfnisse: „Ältere Menschen wollen ihre Zeit sinnvoller nutzen.“ Gerhard Sprakties rät dazu, die freie Zeit einfach auszukosten. Greta Silver meint: „Einfach loslegen.“ Doch manche Menschen tun sich genau damit schwer damit. „Dann kann es helfen, sich zu fragen, woran man in jüngeren Jahren Spaß hatte oder was man sich für später immer noch mal vorgenommen hat“, erklärt Prof. Forstmeier. Das könne ein früheres Hobby sein oder eine ehrenamtliche Tätigkeit.


"Ist das vernünftig? Sollte man nicht lieber einen Gang zurückschalten?"


Doch was, wenn zum Beispiel die Kinder zu mehr Ruhe mahnen? „Dann sollte man dagegen rebellieren, wenn man diese Art von Hilfe noch nicht möchte“, sagt Greta Silver. Natürlich sei es ein Geschenk, wenn Mitmenschen sich kümmern – aber bitte nicht zu früh: „Wenn wir noch fit und aktiv sind, wirkt es schnell entmündigend, wenn jemand in unseren Alltag eingreifen möchte.“

Aktiv bleiben und so die Lebensqualität erhalten

„Aktiv bleiben, soweit es die Gesundheit zulässt, ist bis ins hohe Alter wichtig“, sagt Forstmeier. „Sonst ist die Gefahr groß, depressive Tendenzen zu entwickeln, die die Lebensqualität stark beeinträchtigen können.“

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