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Home Sonderthemen Gesundheit & Pflege Der Wünschewagen
12:37 25.09.2018
Marcel Graf und Michael Benz sind zwei der vielen ehrenamtlichen Wunscherfüller, die sich beim Projekt Wünschewagen des ASB Regionalverbandes Schleswig-Holstein engagieren.

Noch einmal das Meer sehen, den Enkel in der entfernten Stadt treffen, die Orte der Kindheit aufsuchen oder das Spiel seiner Lieblingsfußballmannschaft erleben – diese und ähnliche Wünsche sind es oft, die kranke Menschen am Ende ihres Lebens bewegen. Der Regionalverband Pinneberg / Steinburg des Arbeiter-Samariter-Bundes (ASB) hilft mit seinem Wünschewagen, dass solche Wünsche in Erfüllung gehen können.

„Wir erfüllen schwerstkranken Menschen dieses Herzensanliegen gerne“, so Iris Prochnow. Die Mitarbeiterin des ASB erzählt von der 55jährigen Silvia L. aus Lübeck, die noch im August den Ausflug mit ihren Kindern in den Tiergarten Hagenbeck nach Hamburg genossen hat oder vom schwerkranken 27-jährigen Robin, der beim Besuch des Eminem Konzertes in Hannover aufblühte. Noch einmal die Stille der Natur zu genießen, war dagegen der Herzenswunsch von Norbert R. Mit einer Fahrt zu seinem früheren Lieblingsplatz im Waldhusener Moor machte man dem einstigen Angler eine große Freude.

„Häufig sehen sich Angehörige nicht dazu in der Lage einen bald sterbenden Menschen zu befördern und zu betreuen“, erklärt Iris Prochow. „Der speziell ausgestatteten Wünschewagen und die ehrenamtlichen, professionell geschulten Helfer übernehmen diese Aufgabe. Sie betreuen die Fahrgäste und begleitende Angehörige während ihrer Reise medizinisch und bringen sie auch wieder sicher nach Hause.“

Ein letztes Mal das schillernde Blau des Aquariums im Tierpark Hagenbeck zu erleben, machte Silvia L. aus Lübeck glücklich.
Ein letztes Mal das schillernde Blau des Aquariums im Tierpark Hagenbeck zu erleben, machte Silvia L. aus Lübeck glücklich.

Ein Auto mit ganz besonderer Ausstattung

Der Wünschewagen ist auf die Bedürfnisse der Fahrgäste abgestimmt: Spezielle Stoßdämpfer, eine Musikanlage sowie ein harmonisches Konzept aus Licht und Farben machen die Reise zu einem angenehmen Erlebnis. Eine verspiegelte Rundum-Verglasung bietet einen Panorama- Blick in die Umgebung. Zugleich verfügen alle Wünschewagen über eine moderne notfallmedizinische Ausstattung, sodass das ASB-Team im Notfall medizinische Hilfe leisten kann. Mindestens ein Rettungssanitäter sitzt immer im Wagen. Die Reisen sind für den Erkrankten und eine Begleitperson kostenlos. Die Wunschanfragen können entweder vom Wünschenden selbst oder einem Angehörigen gestellt werden. Wichtig für die Realisierbarkeit ist, dass der Fahrgast transportfähig ist. Allein eine vorherige ärztliche Diagnose und Empfehlung ist notwendig, um eine Wunschfahrt zu organisieren.

Das Projekt finanziert sich ausschließlich mit Spenden und Sponsoren. Der schleswig-holsteinische Wünschewagen ist Bestandteil des bundesweiten Wünschewagen-Projektes vom ASB Deutschland, das 2014 ins Leben gerufen wurde. Schirmherr in Schleswig Holstein ist der Ministerpräsident, in Deutschland ist es Frank Müntefering.


Hier hat er oft geangelt. Nun nimmt Norbert R. Abschied vom Waldhusener Moor. FOTOS: ASB REGIONALVERBAND SCHLESWIG–HOLSTEIN
Hier hat er oft geangelt. Nun nimmt Norbert R. Abschied vom Waldhusener Moor. FOTOS: ASB REGIONALVERBAND SCHLESWIG–HOLSTEIN

Stationiert ist der Wünschewagen Schleswig-Holstein beim Regionalverband Pinneberg/Steinburg in Elmshorn. Von hier aus werden die Wunschfahrten koordiniert. Ausgangspunkte können aber alle Orte in Schleswig- Holstein sein. „Geht es weiter weg, übernehmen auch oft Wünschewagen anderer Bundesländer die Fahrt zum Ziel“, so Prochnow.

„Schön, dass es den Wünschewagen gibt.“ Da sind sich Erkrankte und Angehörige einig. Auch die Wunscherfüller sind von ihrem Ehrenamt berührt und empfinden es als eine besondere Ehre, Menschen, die am Ende ihres Lebens stehen, noch einmal ein Lächeln ins Gesicht zu zaubern. Es geht oft um den Abschied von einem besonderen Ort, der im Leben wichtig war. Um Abschiede von einem Tier, das einen über lange Zeit begleitete, von Angehörigen, Freunden, zu denen lange kein Kontakt mehr bestand. Es sind letzte Maßnahmen die das Gehen erleichtern. Und es sind Geschichten, die trösten. So wie jene von Christine H. Ihr Traum war es, Helene-Fischer zu erleben. Die Wunscherfüller haben sie und eine begleitende Pflegekraft vom Marli Pflegeheim in Lübeck abgeholt und im Juli zum Konzert ins Volksparkstadion nach Hamburg begleitet. Was die 60jährige dort erlebte, war für sie so berührend, dass für Momente die schwere Krankheit in den Hintergrund trat. Oder wie es eine Facebook-Nutzerin kommentiert. „Das Erlebnis hat Frau H. im Herzen mit in die Wolken genommen. Sie tanzt nun mit den Engeln zu Atemlos.“ cp

ASB Wünschewagen
Tel: 0431/ 706 94 - 111
www.asb-sh.de

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