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Home Sonderthemen Gesamtausgabe Die Lehren des Homeoffice
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15:19 30.04.2020
Grafik: graphixmania - stock.adobe.com

Das mal vorweg: Ich mag Einsamkeit und Stille. Ich komme gut mit allen Formen der Isolation zurecht. Setz mich auf eine Insel, gib mir ein Buch und einen Stift und ich bin glücklich. Dachte ich jedenfalls immer.  

Im Kern geht es beim Homeoffice darum, sich selbst zu organisieren. Und natürlich: nicht zu „verloddern“. Mir sind diese Empfehlungen nicht erst seit der Coronakrise vertraut. Ich arbeite gern eigenständig. Aber vor allem war ich lange als freier Journalist tätig. Also mache ich es wie damals: Ich stehe morgens mit dem Wecker auf, habe einen festen Tagesplan und ziehe mich ordentliche an. Oft sogar ein Hemd. Keine Chance also für schlabbernde Äußerlichkeiten. Und auch nicht für ein Entgleisen der Seele.  

Ich fühle mich auch in der Krise auf der Höhe. Die berufliche Einsamkeit – eine immer noch halbwegs vertraute Herausforderung. Neulich habe ich ein Interview mit einem Eremiten geführt – tatsächlich gibt es etwa 80 offiziell so lebende Katholiken in der Republik. Für viele sei die jetzige Situation ein existenzieller Schock, sagte er. Für mich ist sie eher eine Rückkehr in eine fast vergessene berufliche Episode.  

Ich bin deshalb auch weit davon entfernt, in eine Depression zu verfallen, einen Nervenkollaps oder einen Burnout zu erleiden. Das seien schließlich die – je nach Charakter – typischen Reaktionen auf eine Krise, erklärte mir vor ein paar Tagen eine Resilienztrainerin.

Es hilft natürlich, eine Familie zu haben, wenn der Arbeitsalltag zu Ende ist – und es ist wichtig, dass man dann wirklich Abstand von seiner beruflichen Tätigkeit herstellt – körperlich und geistig. Auch das gehört zum kleinen Einmaleins des Homeoffice.

Aber neulich habe ich nach getaner Arbeit über das Homeoffice nachgedacht. Und mir fiel auf, dass mir bei der Arbeit Nähe fehlt. Absprachen oder Interviews gibt es auch jetzt, per Telefon. Sie strukturieren das einsame Gleiten durch den Arbeitstag. Dasselbe gilt für Telefonkonferenzen. Aber irgendwie fehlt doch das soziale Grundbrummen, das einen antreibt. Das Gefühl, als einer von vielen in einem Bienenstock zu sitzen, in dem fleißig und beständig gewerkelt wird. Und das ausgerechnet mir! Umso besser, dass nun langsam Lockerungen im Beruf wie in vielen Bereichen des Lebens diese Situation wieder etwas normalisieren. os
  

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