Menü
Anmelden
Wetter Sprühregen
7°/3°Sprühregen
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland

Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck

Home Sonderthemen Gesamtausgabe Diese Impfstoffe machen Hoffnung
13:05 05.02.2021
Die Impfungen gegen Covid-19 sind in Deutschland flächendeckend angelaufen. Das Vakzin des Herstellers Biontech/Pfizer wird seit Dezember 2020 an Hochbetagte und Pflegepersonal verabreicht. Die Lagerung ist aufwendig. Foto: Sven Hoppe/dpa/

Wer gedacht hatte, dass der Impfgipfel am vergangenen Montag eine schnelle Verbesserung der Impfstoffversorgung schafft, wurde enttäuscht. Die Bundesbürger werden laut Bundeskanzlerin Angela Merkel noch bis Ende des Sommers auf ein Versorgungsangebot für alle warten müssen. 

Seit vergangenem Freitag ist neben den seit Dezember verabreichten Impfstoffen von Biontech/Pfizer und Moderna auch der Impfstoff von Astrazeneca zugelassen. Andere Hersteller stehen in den Startlöchern, doch die Impfstoffe haben in Deutschland noch keine Zulassung.

Im Namen der 27 Staaten hat die EU-Kommission bisher Verträge mit sechs Impfstoff-Herstellern abgeschlossen und so rund 2,3 Milliarden Dosen verschiedener Mittel gesichert. Weitere sollen folgen. Ein Überblick:

Biontech/Pfizer: Das Präparat der Mainzer Firma Biontech und des US-Pharmariesen Pfizer war der erste in der EU zugelassene Corona-Impfstoff. Am 21. Dezember 2020 gab die EU-Kommission grünes Licht. Deutschland hat sich rund 94 Millionen Dosen davon gesichert.

Moderna: Als zweites in der EU zugelassenes Mittel folgte am 6. Januar das Vakzin des US-Herstellers. 50 Millionen Dosen hat Deutschland bisher bestellt, mit 94 Prozent hat das Mittel von Moderna eine ähnlich hohe Wirksamkeit wie das von Biontech.

Astrazeneca: Mit 70 Prozent Wirksamkeit etwas weniger zuverlässig ist der Impfstoff des britisch-schwedischen Herstellers, dessen EU-Zulassung Anfang Februar erwartet wurde. Die Wirksamkeit von 70 Prozent bedeutet, dass in der geimpften Gruppe 70 Prozent weniger Erkrankungen pro 100 Probanden auftraten als in der Kontrollgruppe. Der Impfstoff ist in Deutschland und Frankreich nur für Menschen unter 65 Jahren zugelassen, Malta beschränkt das Alter sogar auf unter 55-Jährige. Brüssel hatte 80 Millionen Impfdosen bis Ende März bestellt. Dass es nun weniger sein sollen, sorgt für Streit zwischen Brüssel und Hersteller. Die Bundesregierung hatte rund 56 Millionen Dosen einkalkuliert.

Curevac: Das Tübinger Biotech-Unternehmen forscht an einem Mittel, für das im Dezember 2020 die zulassungsrelevante klinische Phase-III-Studie begann. Mit Ergebnissen rechnet Curevac, das mit dem Pharmakonzern Bayer kooperiert, bis Ende März. Die Bundesregierung hat bis zu 73 Millionen Dosen des Vakzins bestellt.

Johnson & Johnson: Der US-Hersteller startete die entscheidende Phase der klinischen Tests bereits im September 2020. Die Besonderheit des Mittels ist, dass schon eine Dosis ausreichend Schutz bieten soll. Deutschland soll 37,25 Millionen Dosen erhalten. Wann der Impfstoff in der EU zugelassen werden könnte, ist noch offen.

Sanofi/GSK: Schon im September 2020 hatte die EU-Kommission einen Vertrag mit den Pharmakonzernen aus Frankreich und Großbritannien geschlossen. Doch bei der Entwicklung des Impfstoffs gab es Rückschläge. Die Hersteller erwarten nun eine frühestmögliche Verfügbarkeit im vierten Quartal 2021. Sollte das Mittel zugelassen werden, könnten die EU-Staaten bis zu 300 Millionen Dosen aufkaufen.

Valneva: Mitte Januar schloss die EU-Kommission Sondierungsgespräche mit dem französischen Biotech- Unternehmen ab. Der geplante Vertrag sieht den Kauf von bis zu 60 Millionen Dosen vor. Nach Angaben der EU-Kommission entwickelt Valneva einen „klassischen“ Impfstoff mit inaktivierten Viren.

Novavax: Mit einer Wirksamkeit von 90 Prozent macht zudem der Impfstoff-Kandidat dieses US-Herstellers Hoffnung. Der US-Pharmakonzern Baxter kündigte Mitte Januar an, das noch nicht zugelassene Vakzin von Novavax solle unter anderem in der Baxter-Niederlassung in Halle bei Bielefeld (NRW) hergestellt werden. Auch Biontech und Pfizer wollen ihren Impfstoff künftig in Halle produzieren.

Sputnik V: Der Impfstoff, der in Russland und anderen Ländern verimpft wird, soll möglicherweise auch in Deutschland zum Einsatz kommen. Voraussetzung ist, dass die russischen Forscher belastbare Studien herausrücken. Nach den neuen Daten hat Sputnik V eine Wirksamkeit von 91,6 Prozent. TM/dpa


Virus-Mutationen sind nicht ungewöhnlich

„Virusvarianten und -mutationen sind nichts Ungewöhnliches“, sagt Hendrik Streeck, Direktor des Institutes für Virologie und HIV-Forschung in Bonn. Es seien derzeit mehr als 12 000 Varianten von SARS-CoV-2 bekannt. Besonders relevant scheint die Mutation E484K zu sein, die erstmals in Südafrika aufgetaucht war. Sie stärkt das Coronavirus nach Angaben des Virologen Alexander Kekulé. „Das Virus entkommt dem Immunsystem einfacher.“

Der Präsident des für Impfungen zuständigen Robert-Koch-Instituts Lothar H. Wieler wies daraufhin, je mehr Menschen infiziert wären, umso mehr Mutationen gebe es.

Die Mutation E484K würde zum Beispiel bedeuten, dass sich Genesene neu infizieren könnten, dass Impfstoffe nicht so gut wirken oder Antikörper-Therapien nicht gut anschlagen, sagt die Frankfurter Virologin Sandra Ciesek. Impfstoffhersteller wie Biontech/Pfizer erklärten, ihr Impfstoff könne an die bisher bekannten Varianten angepasst werden. TM/dpa

Masken für Bedürftige

Die Hansestadt Lübeck hat damit begonnen, FFP2-Masken an sozial bedürftige Lübecker Bürger und Bürgerinnen zu verteilen. Durch die Verteilung wird sichergestellt, dass die seit 25. Januar geltenden strengeren Schutzvorgaben bei Betreten von Geschäften, Bahn oder Bus oder Verwaltungsgebäuden eingehalten werden können. Stoffmasken oder andere Mund-Nasen-Bedeckungen sind dort nicht mehr zulässig. Jeder Bedürftige erhält zwei FFP2-Masken. Insgesamt werden rund 50 000 Masken an die Empfänger von Transferleistungen des Job-Center und des Bereichs Soziale Sicherung verteilt. Die Verteilung erfolgt per Brief ab dieser Woche.

Tipp: Fragen Sie in Ihrer Gemeinde nach ähnlichen Angeboten.

Das Warten auf Corona-Tests für jedermann

Corona-Schnelltests für zu Hause sind zwar schon erlaubt, aber sie sind noch nicht zugelassen – Schnelltests dürfen nach wie vor nur von medizinisch geschultem Personal durchgeführt werden

Die Hersteller von Corona-Schnelltests für den Gebrauch durch Laien stehen in den Startlöchern. Den Apotheken ist die Abgabe zwar erlaubt, doch mit Stand von gestern war noch kein sogenannter Heimtest vom Paul-Ehrlich-Institut (PEI) evaluiert.

Viele Menschen erhoffen sich von sogenannten Corona-Heimtests mehr Sicherheit in der Frage, ob eine Infektion mit dem Corona-Virus SARS-CoV-2 bei ihnen oder einem Familienmitglied vorliegt. Doch um das zuverlässig herauszufinden, wird immer noch ein PCR-Test benötigt.

Aktuell sind 349 Schnelltests vom Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) zugelassen, das heißt, dass die Kosten dafür bei Vorliegen der Voraussetzungen erstattet werden. Diese 349 Schnelltest sind aufgrund der Angaben der Hersteller gelistet. Ein weiterer Schritt ist die stichprobenartige sach- und fachgerechte Überprüfung (Evaluierung) der Schnelltests, für die das PEI in Zusammenarbeit mit anderen Laboren zuständig ist. Evaluiert sind aktuell nur 36 Schnelltests aus dieser Liste. Das bedeutet jedoch nicht, dass die restlichen 313 Tests der BfArM-Liste weniger zuverlässig sind, sie sind nur nicht vom PEI überprüft worden. Beide Listen werden ständig aktualisiert.

Getestet wird mittels eines Rachen- und/oder Nasenabstrichs. Ein etwa 16 Zentimeter langes Stäbchen wird entweder tief in den Rachen – mindestens bis hinters Zäpfchen – geführt und nimmt von dort einen Abstrich der Schleimhaut. Oder das Stäbchen wird durch die Nase sehr weit in den hinteren Nasenraum geführt. „Man hat das Gefühl, als wäre das Stäbchen kurz vor dem Kleinhirn“, beschreibt ein Apotheker, der unter anderem Kliniken mit Schnelltests versorgt, den Abstrich. Beide Abstrichvarianten bergen eine gewisse Verletzungsgefahr, wenn sie von Ungeübten durchgeführt werden. Die Testergebnisse liegen vor Ort innerhalb weniger Minuten vor, allerdings sind sie häufig fehlerhaft. Das heißt, dass Infizierte durch einen negativen Test oft nicht erkannt werden, sich in Sicherheit wiegen, obwohl sie den Virus bereits in sich tragen und weitergeben können. Fällt der Schnelltest positiv aus, erfolgt ein PCR-Test, ebenfalls mit einem Abstrich. Die Auswertung erfolgt jedoch mit einem aufwendigeren Verfahren in spezialisierten Laboren und liegt in der Regel in ein paar Stunden vor. PCR-Tests sind sehr zuverlässig.

Für den Heimgebrauch arbeiten Pharmaunternehmen an einfacheren Tests, die auch von medizinischen Laien durchgeführt werden können. Der Geschäftsführer des Verbandes der Diagnostica-Industrie, Martin Walger, hält verschiedene Varianten für möglich, etwa Abstriche in der Nase, die weniger tief entnommen werden müssen. Diese Variante wurde bereits an der Charité in Berlin erfolgreich von Laien ausprobiert. Auch Gurgel- und Spucktests sind mögliche Test-Varianten für den Heimgebrauch. Wie ein Spucktest funktioniert, zeigt das Bad Schwartauer Unternehmen Care Integral, das einen Spucktest entwickelt hat, aber noch auf die Zulassung wartet. Der Speichel wird in ein kleines Teströhrchen gespuckt, nach einer kurzen Wartezeit werden ein paar Tröpfchen auf eine Testkassette gegeben und nach 15 Minuten wird das Ergebnis angezeigt (die LN berichteten).

Doch die Zulassung solcher Tests könnten laut Martin Walger noch ein paar Wochen dauern. Damit heißt es nicht nur beim Impfstoff, sondern auch bei Corona-Heimtests: Abwarten. TM
                      

3
/
25