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Home Sonderthemen Gesamtausgabe Ein Ehrenamtler auch am Heiligabend
13:33 25.11.2020
Harald Werner (66), der „Herr der Fliegen“, besitzt auch Querbinder mit Weihnachtsmotiv. Foto: Graap

Weihnachten – das war in meiner Kindheit ein großes Erlebnis für die gesamte Familie“, erinnert sich Ostholsteins Kreispräsident Harald Werner an das Fest der Feste vor über 60 Jahren. Der pensionierte Bundespolizist wurde 1954 in Lübeck geboren und war gemeinsam mit Zwillingsbruder Peter das jüngste von insgesamt sechs Geschwistern. „Wir lebten in kleinen Verhältnissen und gaben uns mit bescheidenen Geschenken zufrieden.“

Der Vater kam blind aus dem Krieg, arbeitete später als Telefonist bei der Universität. „Damals war es ohnehin üblich, mehr praktische Sachen zu verschenken – das war kein Problem für uns“, erzählt Werner. Sein schönstes Geschenk war aber dann doch Spielzeug: „Wir drei jüngsten Geschwister haben zusammen einen großen Lego-Kasten bekommen. Das war ein Riesenspaß.“
     

Abenteuerliche Weihnachten in Norwegen

Sein spannendstes Weihnachtsfest erlebte Werner ebenfalls in ganz jungen Jahren. „Meine Mutter war Norwegerin Wir haben es nur ein einziges Mal geschafft, alle zusammen mit meinen Großeltern, die in Halden an der norwegischschwedischen Grenze lebten, Weihnachten zu feiern. Wir stiegen alle in unseren Simca-Kleinwagen und fuhren zu acht bei Schneetreiben die ganze Strecke in einem Rutsch durch – ohne Koffer, aber mit Geschenken an Bord. Das war abenteuerlich und eines der schönsten Weihnachten, die ich erlebt habe – in einer Holzfällerhütte mitten im tief verschneiten Wald“, schwärmt Werner.    

Kindheitserinnerung mit Seltenheitswert: Dies ist das einzige Foto der ganzen Familie Werner vor dem mit Lametta behängten Christbaum. Foto: hfr
Kindheitserinnerung mit Seltenheitswert: Dies ist das einzige Foto der ganzen Familie Werner vor dem mit Lametta behängten Christbaum. Foto: hfr

Als Weihnachtsmann beim Landrat

Heute feiert er Weihnachten mit Ehefrau Maren und Sohn Jan-Philipp in Stockelsdorf, wo die Familie seit 1987 lebt. Ob im Kirchenvorstand oder als Bürgervorsteher – Harald Werner war und ist vielfältig ehrenamtlich ins Gemeindeleben eingebunden. Und bürgerschaftliches Engagement zeigte er selbst an Heiligabend: „Lange Zeit war ich auch als Weihnachtsmann unterwegs, unter anderem bei Freunden wie dem jetzigen Landrat Reinhard Sager, der damals noch in Stockelsdorf gewohnt hat“, plaudert Werner aus dem Nähkästchen. Weil seine Frau noch berufstätig ist, obliegt es dem Pensionär, Heiligabend für die Familie zu kochen. „Traditionell gibt es Schweinefilet mit Rotkohl und Kroketten, von jeher das Lieblingsgericht unseres Sohnes.“

Er trägt Fliege – auch mit Weihnachtsmotiv

Die nächtliche Christmette besucht Werner allein. Dabei trägt er dann bestimmt eine Fliege mit Weihnachtsmotiv. Das ist nämlich seine Marotte: Werner gilt als „Herr der Fliegen“, weil er ausschließlich die modischen Querbinder trägt – und sammelt. 200 Lieblingsstücke mit passendem Einstecktuch besitzt er, darunter das eine oder andere weihnachtliche. Mit Krawattenschleifen beschenkt er sich jedoch am liebsten selber, das Christkind braucht da nicht bemüht werden: „In der Regel kaufe ich mir die Fliegen selbst, da bin ich sehr eigenen. Eine gute Quelle habe ich in Schweden aufgetan“, sagt Werner.

Übrigens, seit er Kreispräsident ist, schätzt Werner eine Gepflogenheit im Eutiner Kreishaus ganz besonders: das Singen der Mitarbeiter, die am letzten Arbeitstag vor dem Fest auf dem großen Flur im Altbau zusammenkommen und gemeinsam Weihnachtslieder anstimmen. „Dann werden Liedtexte verteilt, eine Kollegin spielt Keyboard und alle, wie sie da sind, stimmen in den Chor ein und wünschen sich anschließend eine schöne Weihnacht. Für den Landrat und mich ist dieser Moment auch eine schöne Gelegenheit, persönlich Danke zu sagen“, sagt Harald Werner. In diesem Corona- Jahr muss Werner aber wohl von schönen Erinnerungen zehren. vg

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