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Home Themenwelten Gesamtausgabe Erste Anlaufstelle, wenn es ums Hören und Sehen geht
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13:26 22.04.2021
Das Auge ist ein hoch kompliziertes Sinnensorgan. Die kleine Abbildung zeigt den Augenhintergrund eines Patienten mit „trockener“ altersabhängiger Makuladegeneration, auch als „Grüner Star“ bekannt. Das UKSH forscht intensiv an einer Therapie dieser Erkrankung. Foto: Axel Kock/stock.adobe.com
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Hör- und Sehminderungen können das Leben stark beeinflussen. Sie schränken nicht nur die Kommunikation und das Wahrnehmen von akustischen sowie optischen Reizen ein, sondern auch das soziale Leben der Betroffenen. Als Maximalversorger ist das UKSH Lübeck die erste Anlaufstelle, wenn es um die Wiederherstellung dieser wohl wichtigsten Sinnesleistungen geht. 

Hörgeräte haben Grenzen

Schlechtes Hören kann viele Ursachen haben und manchmal geraten sowohl Hörakustiker als auch niedergelassene Ärzte an ihre Grenzen. „Es gibt eine Schallmauer, die auch durch gute Hörgeräte nicht zu durchbrechen ist. In solchen Fällen kann nur ein Implantat helfen“, sagt Prof. Dr. Rainer Schönweiler. Der Leiter der Phoniatrie und Pädaudiologie in der HNO-Klinik des Lübecker UKSH betont: „Wir möchten Patienten gemeinsam mit Hörgeräteakustikern und niedergelassen Ärzten zu einem bestmöglichen Hören verhelfen. Dafür arbeiten wir außerdem eng mit der Akademie für Hörakustik zusammen.“

Ein Cochlea-Implantat ist eine Hörprothese, die auch Gehörlosen und Ertaubten das Hören wieder ermöglichen kann. Foto: Bernd/stock.adobe.com
Ein Cochlea-Implantat ist eine Hörprothese, die auch Gehörlosen und Ertaubten das Hören wieder ermöglichen kann. Foto: Bernd/stock.adobe.com

Um der Ursache der Schwerhörigkeit auf den Grund zu gehen, führt das interdisziplinäre Expertenteam des UKSH – darunter HNO-Mediziner, Physiker, Logopäden, Psychologen, und Akustiker – zunächst die notwendige diagnostische Abklärung durch. Durch audiometrische Untersuchungen und Sprachbefunde kann eine realistische Einschätzung des Therapieerfolges berechnet werden. „Bei einigen Patienten sind wir uns sicher, dass sie wieder ganz normal hören und sprechen können, andere werden immerhin wieder Signale hören können“, sagt Professor Schönweiler.

Für reine Schallleitungsschwerhörigkeiten stehen etwa Implantate zur Verfügung, die im Schädelknochen verankert werden. In anderen Fällen können Mittelohrimplantate eine gute Lösung sein. Bei Vorliegen einer an Taubheit grenzenden Schwerhörigkeit prüfen die Experten die Möglichkeit einer sogenannten Cochlea Implantation.

Prof. Dr. Rainer Schönweiler, Direktor der Klinik für Hals-, Nasen- und Ohrenheilkunde, UKSH Lübeck.
Prof. Dr. Rainer Schönweiler, Direktor der Klinik für Hals-, Nasen- und Ohrenheilkunde, UKSH Lübeck.
PD Dr. med. Karl-Ludwig Bruchhage, Leiter der Sektion für Hals-, Nasenund Ohrenheilkunde im UKSH Lübeck.
PD Dr. med. Karl-Ludwig Bruchhage, Leiter der Sektion für Hals-, Nasenund Ohrenheilkunde im UKSH Lübeck.
Professor Dr. Salvatore Grisanti, Direktor der Klinik für Augenheilkunde am UKSH.
Professor Dr. Salvatore Grisanti, Direktor der Klinik für Augenheilkunde am UKSH.

Implantatversorgung längst ein Routineeingriff

Obwohl die Implantatversorgung am Lübecker UKSH längst ein Routineeingriff ist, gibt es nach wie vor gewisse Ängste auf Patientenseite. „Um Bedenken oder auch Ängste abzubauen, stellen wir auf Wunsch einen Kontakt zu Patienten her, die dank ihres Implantates wieder hören können“, sagt PD Dr. med. Karl-Ludwig Bruchhage, Leiter der Sektion für Hals-, Nasen- und Ohrenheilkunde im UKSH Lübeck.

Eine Operation sei bei Säuglingen mit Hörproblemen genauso angeraten wie bei alten Menschen. Es gilt: Je früher, desto besser. Denn nicht
selten sind schulische Probleme bei Kindern auf ein
schlechtes Hörvermögen zurückzuführen.

Der Nachsorgeaufwand hängt wesentlich von der Art der Implantation ab. Während dieser bei Mittelohr- beziehungsweise Knochenleitimplantaten sehr gering ist, müssen Patienten mit einem Cochlea Implantat das Hören wieder ganz neu erlernen. Im Falle von Komplikationen, steht an 365 Tagen eine Notfallsprechstunde zur Verfügung.

Neben Implantat-Operationen verfügt das UKSH über eine große Expertise bei sämtlichen Problemen des Mittelohrbereichs sowie Atresien, also angeborenen oder erworbenen Fehlbildungen des Gehörganges und des Mittelohres. Aber auch ästhetische Eingriffe wie das Ohren anlegen bei Kindern ab sechs Jahren gehören zum Behandlungsspektrum.

UKSH kämpft gegen Erblindung

Die neben dem Hören wohl wichtigste Sinnesleistung ist das Sehen. Dessen herausragende Rolle wird durch Studien der Weltgesundheitsorganisation belegt, welche aufzeigen, dass Erblindung zu den größten Belastungen zählt, die der Mensch erfahren kann. Zu den häufigsten Erblindungsursachen gehören die altersabhängige Makuladegeneration (AMD), die diabetische Retinopathie und das als „Grüner Star“ bekannte Glaukom.

Die Klinik für Augenheilkunde Lübeck am UKSH hat in den vergangenen Jahrzehnten eine wesentlichen Rolle für das wachsende Verständnis und die Behandlung dieser Erkrankungen beigetragen. Die „feuchte Form“ der AMD und die diabetische Retinopathie werden heutzutage mit Injektionen im Auge behandelt. „Dafür beteiligen wir uns an internationalen Studien, die neue Medikamente für eine bessere und längere Wirkung erproben“, sagt Professor Dr. Salvatore Grisanti, Direktor der Klinik für Augenheilkunde am UKSH. Weiterhin wurden und werden innovative Therapieoptionen wie das „IRay“ oder die minimalinvasive Lasertherapie zur Reduktion der Injektionen eingesetzt.

Internationale Studien sollen Behandlung verbessern

Für die „trockene Form“ der AMD gibt es zurzeit noch keine etablierte Therapie. Das soll sich ändern. Denn das UKSH, Campus Lübeck, ist die einzige Institution im Norden, die an mehreren internationalen Studien zur Behandlung dieser Erkrankungsform beteiligt ist. Weiterhin ist sie führend in der Anwendung neuer diagnostischer Möglichkeiten und setzt das bisher weltweit erste zertifizierte FLIO-gerät ein, das zur Früherkennung von Stoffwechselveränderungen am Augenhintergrund genutzt wird.

Beim „Grünen Star“ führt ein individuell zu hoher Augeninnendruck zu einem Verlust von Sehnervenfasern. „Die Therapie beginnt medikamentös, endet aber in den meisten Fällen chirurgisch“, sagt Professor Grisanti. Im vergangenen Jahrzehnt habe sich die Chirurgie auf diesem Gebiet wesentlich gewandelt. Das UKSH, Campus Lübeck, agierte hierbei an vorderster Front und war an der Einführung und Entwicklung vieler Innovationen beteiligt, wie das Beispiel des Beacon Implantats zeigt. Dieses wird bisher nur in zwei Kliniken in Deutschland verwendet. pa

UKSH, Campus Lübeck
Klinik für Hals-, Nasen- und Ohrenheilkunde, Phoniatrie und Pädaudiologie
www.uksh.de

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