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Home Sonderthemen Gesamtausgabe Geburtshaus Lübeck: Das Baby im Winter
13:05 05.02.2021
Viel Zeit für sich braucht die junge Familie gerade in den ersten Wochen nach der Geburt. Foto: ManuPadilla - stock.adobe.com

Es gibt keine ungünstige Jahreszeit, um ein Baby zu bekommen.“ Eine, die das wissen muss, ist Amrit Dörte Bläse, die selbst drei erwachsene Kinder hat und seit 16 Jahren als Hebamme im Geburtshaus Lübeck Babys dabei hilft, auf die Welt zu kommen und Mütter und Väter dabei entsprechend begleitet.  

Die Sorgen der Eltern, dass ihr Kind es im Winter womöglich schlechter treffen könnte als in wärmeren Tagen, kann sie nicht teilen. „Es gibt ja kein schlechtes Wetter, nur ungünstige Kleidung.“ Amrit Dörte Bläse rät allerdings, mit dem allerersten Spaziergang draußen frühestens 10 bis 14 Tage nach der Geburt zu starten. „Solange brauchen meistens auch die Mütter, um sich wieder fit für einen Spaziergang zu fühlen.“

Das Baby wird entsprechend warm eingepackt in einem Kinderwagen ausgeführt. Der sollte schon eine richtige Wanne mit Matratze und Verdeck haben, denn eine Babyschale auf einem Fahrgestell würde an kalten Tagen nicht ausreichen. Das Baby trägt seine übliche Kleidung wie auch im Haus, darüber zieht es einen warmen Ganzkörperanzug für draußen an, beispielsweise aus warmer Schurwolle oder ähnlich einem Schneeanzug für ältere Kinder. „Die Anzüge für die ganz Kleinen können auch über Hände und Füße gestülpt werden“, erklärt Bläse, die für Säuglinge eher zu Naturmaterialien in der Ausstattung rät. Im Kinderwagen wärmt ein Ganzkörperfußsack und unter Umständen eine Lammfellunterlage das Kleine.

Auch ein Tragetuch sei gut für die ersten Spaziergänge geeignet. „Es gibt für die Mütter sogar Jacken und Mäntel mit einem speziellen Schnitt, die auch die Babys im Tragetuch warm halten“, weiß Amrit Dörte Bläse.

Dennoch: „Der erste Spaziergang sollte nicht länger als ungefähr 15 bis 20 Minuten dauern“, rät die Hebamme, denn die kleinen Lungen müssten sich erst an die kalte Luft gewöhnen. Ein guter Indikator sei meistens die Fitness der Mutter, die anfangs auch noch Schwierigkeiten habe, sich länger auf den Beinen zu halten.

„Das Baby kann nicht kommunizieren. Wenn es schreit, ist irgendetwas nicht in Ordnung. Ob das Baby friert, Hunger hat, die Windel nass ist, es Nähe sucht oder seine Ruhe haben möchte, können Mütter und Väter schnell am jeweiligen Schreien erkennen, doch die Eltern müssen zunächst einmal lernen, ihr Baby zu verstehen“, sagt Amrit Dörte Bläse. Da ein Baby in den ersten Monaten nur über Schweißdrüsen im Nacken schwitzen kann, sollte dort regelmäßig die Temperatur überprüft werden. Denn oft würden die Babys in geheizten Zimmern eher zu warm angezogen. Warm werde es auch unterwegs, wenn sie nicht nur draußen sind sondern auch zum Einkaufen mitgenommen würden. Doch davon rät Dörte Bläse ohnehin ab. „In Corona-Zeiten sollte dort, wo es möglich ist, nur einer aus der Familie einkaufen gehen.“

Längere Zeit mit einem Kleinkind unterwegs zu sein, birgt zudem die Schwierigkeit, das Kind zu füttern und zu wickeln. Denn die meisten öffentlichen Wickelstellen, Kaufhäuser, Cafés und Restaurants, die sonst dafür aufgesucht werden könnten, sind geschlossen. Amrit Dörte Bläse kann der Pandemie dennoch einen positiven Aspekt abgewinnen: „Die jungen Familien kommen jetzt viel mehr zur Ruhe, denn sie dürfen kaum Besuch empfangen. Und das kommt ihnen zugute.“ Tessa Maiborg
                   

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