Menü
Anmelden
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland

Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck

Home Sonderthemen Ostholstein Heiligabend ist der Weihnachtsmann im Stress
21:38 03.12.2019
Bodo Rahnenführer ist seit 14 Jahren Weihnachtsmann aus Leidenschaft. Foto: Petra Dreu
Hartmut Muhlack OHG Abschleppdienst
Axel Baumgart Meisterbetrieb
Anzeige

In der Vorweihnachtszeit, aber vor allem am Heiligabend hat seine „Spezies“ Hochkonjunktur: Seit 14 Jahren steigt Bodo Rahnenführer (68) in das rote Gewand, legt den weißen langen Bart an, setzt die rote Mütze mit dem weißen Bommel auf und wird zum Weihnachtsmann.

Mit einem städtischen Adventsmarkt fing Bodo Rahnenführers Karriere als Weihnachtsmann einst an. Mit einem Engel im Schlepptau mischte er sich unter das Volk und beschenkte Kinder mit Süßigkeiten, die ihn zuerst verhalten anlächelten, dann aber strahlten und beherzt in seinen Jutesack mit den Naschereien griffen. Und wenn die Kleinen dann noch ein Gedicht aufsagen konnten, strahlte auch der Weihnachtsmann.

14 Termine absolviert der Weihnachtsmann Heiligabend

„Allein in Kinderaugen zu sehen, die zuerst zurückhaltend, dann aber glücklich und fröhlich sind, das ist ein schönes Gefühl“, erzählt der Bad Oldesloer, dessen Terminkalender am Heiligabend absolut voll ist. Vierzehn Termine sind dort eingetragen. Alles ist straff durchorganisiert. Sein Arbeitstag beginnt um zehn Uhr in einem Altenheim.

„Ich besuche alle Bewohner in ihren Zimmern, überreiche jedem eine Tüte, die das Haus zusammengestellt hat und wünsche frohe Weihnachten. Wenn mehrere alte Leute zusammen sind, dann singen wir auch Weihnachtslieder“, verrät Rahnenführer, der stets einen Schellenbaum dabei hat und damit „Jingle Bells“ anstimmt. An den Besuchen in den Altenheimen fasziniert ihn eins besonders: „Gerade die Bewohner, die geistig nicht mehr ganz auf der Höhe sind, können alle Weihnachtslieder auswendig mitsingen – und das mit Begeisterung.“

Gegen 11.30 Uhr trifft er stets in der Notaufnahme der Asklepios-Klinik ein. Der Besuch ist ihm eine Herzensangelegenheit. Auch die Naschereien für Ärzte und das Pflegepersonal finanziert er selbst. „Ich möchte denen, die dort ihren Dienst versehen, einfach Danke sagen. Ich werde mittlerweile schon erwartet und jeder möchte ein Fotos mit dem Weihnachtsmann haben. Das ist immer richtig schön.“

Im goldenen Buch wird alles notiert

Um 14 Uhr beginnt der Besuchsreigen in Familien mit Kindern, die er schon lange kennt. Jeder Besuch erfordert Vorarbeit. „Ich erkunde mich vorher bei den Eltern, wer brav war und wer nicht, ob alle gut miteinander umgehen oder ständig zanken. Alles wird hier notiert“, sagt der Weihnachtsmann und hält sein goldenes Buch hoch, ohne das er am Heiligabend nicht aus dem Haus geht. In seinen 14 Jahren als Weihnachtsmann hat Bodo Rahnenführer schon viel erlebt. „Einmal bekam ich einen Anruf. Der Sohn hatte Feuer in der Küche gemacht und seine Schwester verprügelt, die danach eine Platzwunde am Kopf hatte. Die Eltern haben daraufhin alle Weihnachtsgeschenke gestrichen. Ich sollte trotzdem zum Schimpfen kommen“, denkt er zurück.

In manchen Familien bekommt er heimlich den Schlüssel vom Geschenkezimmer zugesteckt. „Wenn ich das Zimmer aufschließe und die Kinder beobachte, bekomme ich jedes Mal Gänsehaut“, verrät er.

Der Glaube an den Weihnachtsmann

Gänsehaut bekommt er auch, wenn er an einen Besuch zurückdenkt, der eigentlich gar nicht geplant war.„Ich habe mit meinem Auto unter einer Straßenlaterne geparkt um nach der Anschrift meiner nächsten Familie zu sehen. Ein älterer Herr auf einem Fahrrad hielt an, klopfte an die Autoscheibe und bat mich, bei seiner Familie vorbeizufahren. Er sagte, dass die Kinder nicht mehr an den Weihnachtsmann glauben. Aber wenn sie mich sehen würden, käme der Glaube an denn Weihnachtsmann vielleicht wieder zurück.“

Bodo Rahnenführer tat ihm den Gefallen und erlebte eine Überraschung. „Eins der Kinder war etwa sechs Jahre alt und konnte auswendig ein Weihnachtsgedicht aufsagen. Das war sieben Minuten lang. So etwas habe ich zuvor noch nie erlebt.“

Wenn er seinen Terminplan einhalten kann, ist er gegen 21 Uhr daheim bei seiner Frau Karin. Geschenke gibt es keine, auch eine Weihnachtsfeier findet nicht statt. „Das machen wir immer ein paar Tage vor Weihnachten. In einer Gaststätte treffen wir uns zum Essen. Das ist immer sehr schön. An den Weihnachtstagen ist bei uns Ruhe angesagt.“ Petra Dreu

Wer keine Freunde, Bekannte oder Nachbarn hat, die in die Rolle des Weihnachtsmannes schlüpfen möchten, findet im Internet jede Menge Weihnachtsbüros oder Weihnachtsmann-Vermittlungen. Als Weihnachtsmänner sind gerne Studenten unterwegs, die ihre Nachrichten an „schwarzen Brettern“ hinterlassen. Aber auch Studenten-Jobagenturen haben sich inzwischen der verstärkten Nachfrage nach Weihnachtsmänner angenommen. Bei der Studentenvermittlung www.jobruf.de sind allein in Lübeck 145 Studenten registriert, die für Weihnachtsfeiern und Bescherungen ins Haus kommen. Die Internetseite www.mietmeile.de hat ebenfalls verschiedene Weihnachtsmänner zur Miete im Angebot. Die Preise variieren von 40 Euro im Stadtgebiet bis zu 150 Euro in ländlichen Gemeinden.

2
/
2
Datenschutz