Menü
Anmelden
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland

Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck

Home Themenwelten Ostholstein Heiligenhafener Sternsingerspiel: einen Funken Licht bewahren
Anzeige
13:46 18.12.2020
Im Jahr 2005 erinnerten Heiligenhafener mit einer Aufführung in der Stadtkirche an das Sternsingerspiel. Foto: Guter Lothert

Das Heiligenhafener Sternsingerspiel hat eine einzigartige Entstehungsgeschichte. Aus Anlass des 75-jährigen Jubiläums soll noch einmal daran erinnert werden. Es wurde nach Ende des 2. Weltkriegs im Herbst 1945 von Fritz Grasshoff in Heiligenhafen in Baracke 7 des Barackenlagers geschrieben. „Dieses Spiel habe ich … für die Gefangenen und Flüchtlinge zu Heiligenhafen in Ostholstein geschrieben“, berichtete Fritz Grasshoff später. „Gefangene und Flüchtlinge spielten es unter der Leitung von Mathias Wiemann dort in Scheunen und Sälen vom 1. Advent bis zum Heiligen Dreikönigstage 1946 48 mal.“

Dass das Sternsingerspiel nie ganz in Vergessenheit geriet, liegt daran, dass es eine gedruckte Fassung gibt, die als Broschüre erschienen war. Diese war auch die Grundlage für eine Wiederaufführung in der Stadtkirche zu Heiligenhafen im Advent 2005.

Die Entstehung: Der Schriftsteller Grasshoff war als Kriegsgefangener in das britische Kriegsgefangenenlager in Ostholstein gekommen. Ebenso wie er harrten zigtausende Soldaten und Flüchtlinge im östlichen Ostholstein einer ungewissen Zukunft entgegen. Erstmals wieder im Frieden wollten die Menschen Weihnachten feiern. Doch was bedeutete das schon angesichts von Elend, Flucht und Gefangenschaft?

„Denen, die im Stall leben bei Ochs und Schaf; denen die nachts schlaflos auf ihrer Schütte liegen und unter Tränen die Hände ballen; denen, die hart und ohne Hoffnung sind“, aber auch „den Herzen, die noch einen Funken Hoffnung bewahren“, wollte Fritz Grasshoff mit dem Sternsingerspiel ein „kleines Laternenlicht“ anzünden. Die Leitung des Spiels hatte der Schauspieler Mathias Wiemann, der selbst die Rolle des Caspar spielte. Unter seiner professionellen Obhut hatte sich in Heiligenhafen schon zuvor ein Soldaten-Ensemble gegründet, das sich künstlerisch betätigte.

Die Geschichte: Nachdem die Heiligen Drei Könige zunächst unter Flüchtlingen und Soldaten weilen und karge Geschenke sammeln, kommen sie zu den Hirten auf dem Feld und schließlich zu Maria und Joseph, um die Geschenke weiterzureichen. „Seid ihr die Krippe und das Haus, dann füllt euch Gott mit Liebe aus. Kommt Gottes Kind in euch zur Welt, ist Fried und Freude euer Zelt. Seid Magd und Mutter ihr zugleich, dann ist in euch das Himmelreich.“ Dies sagen die Drei Heiligen Könige im Wechsel am Ende des Stückes und beschließen das Sternsingerspiel mit dem Lied „Stille Nacht, Heilige Nacht“.

Die Wiederaufführung in Heiligenhafen fand unter der Leitung von Pastorin Elisabeth Caesar und Pastor Carsten Sauerberg statt, die auch als Maria und Joseph auftraten. Erläuternde Worte sprach Pastor Dr. Jörg Zengel. Aufgeführt wurde das Heiligenhafener Sternsingerspiel aber noch ein weiteres Mal: Am Vorabend des Dreikönigstages 2011 in Jeseritz im Kirchspiel Calvörde in Sachsen-Anhalt. Der dortige Pfarrer Andreas Knauf erklärte, dass dieses Sternsingerspiel „am deutlichsten den Gedanken von Weihnachten“ widerspiegele. bg

1
/
2