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Home Sonderthemen Gesamtausgabe Lymphödem erkennen und behandeln
14:52 02.11.2020
Selbsthilfe bei einem Lymphödem: Die großen Lymphknoten in der Bauchgegend können leicht selbst aktiviert werden – am besten durch tiefe Atmung und leichte kreisende Massage mit der flachen Hand im Liegen. So wird der Lymphfluss im ganzen Körper angeregt. Foto: kitsune - stock.adobe.com

Bei einer Brustkrebsoperation ist es in der Regel nötig, von Krebs betroffene Lymphknoten zu entfernen. Damit soll eine Streuung der Krebszellen verhindert werden. Mittlerweile ist es üblich, nur noch den sogenannten Wächterlymphknoten unter der Achsel zu entfernen und im Labor auf Metastasen zu untersuchen. Ist er nicht befallen, müssen keine weiteren Lymphknoten entnommen werden.

„Die Häufigkeit eines Arm-Lymphödems hängt stark von der durchgeführten Therapie ab. Sie ist höher, je mehr Lymphknoten entfernt und wenn Lymphabflusswege bestrahlt wurden“, erklärt die Ärztin und Lymphexpertin Dr. Barbara Netopil. Die Häufigkeit schwanke zwischen 2,5 Prozent bei der Entfernung des Wächterlymphknotens und rund 25 Prozent, wenn deutlich mehr als 12 Lymphknoten entfernt werden.

Das Lymphödem entwickelt sich stufenweise. Anfangs fühlt sich die Schwellung weich an und verschwindet wieder, wenn der Arm hochgelegt oder leicht massiert wird. Wenn man mit dem Finger auf die Haut drückt, bleibt eine Delle zurück. Manche Frauen bemerken das Lymphödem in diesem Stadium gar nicht, da der Arm nur ungefähr einen Zentimeter dicker ist als normal.

Wird das Lymphödem nicht behandelt, wird aus der weichen eine dauerhafte harte Schwellung. Die Haut fühlt sich straff an und beginnt zu schmerzen. Häufig zeigen sich auch deutliche Einschränkungen in der Beweglichkeit. Auch das Hochlegen bringt keine Erleichterung mehr.

„Ein Lymphödem im Bereich des Arms zeigt sich durch ein Spannungsgefühl nach Belastungen und eine Zunahme des Umfangs gegenüber dem gesunden Arm“, so Dr. Barbara Netopil. Im Bereich der Brust könne das Ödem auch Schmerzen verursachen und mache sich durch eine Zunahme des Brustvolumens bemerkbar. In jedem Fall zeige sich eine Hautfaltenverdickung. „Betroffene sollten bei diesen Beschwerden ihren Arzt ansprechen, aber auch, wenn beispielsweise eine Entzündung mit Rötung und Fieber am Arm oder der Brust entsteht“, rät die Lymphexpertin. Ist das Lymphödem erkannt, kann sofort mit der Therapie begonnen werden. Sie besteht meistens aus mehreren Elementen: Kompressionstherapie, Lymphdrainage, Bewegungsübungen und Hautpflege.


Häufig: Depression nach Brustkrebs

Auch mehrere Jahre nach einer erfolgreichen Behandlung leiden viele Brustkrebspatientinnen an Depressionen. Das geht aus einer Studie des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ) in Heidelberg hervor. „Wir haben festgestellt, dass Langzeitüberlebende, deren Therapie bereits zwischen fünf und 15 Jahren zurückliegt, häufiger unter Depressionen leiden als Frauen, die nie an Brustkrebs erkrankt waren“, sagte Studienautorin Daniela Doege. Die Wissenschaftler untersuchten 3100 Brustkrebsüberlebende und mehr als 1000 Frauen ohne entsprechende Krebserkrankung. Ärzte sollten bei einer Krebserkrankung deshalb nicht nur die körperlichen Symptome therapieren, sondern auch die psychische Verfassung der Frauen im Blick behalten. In Deutschland erhalten jährlich rund 69 000 Frauen die Diagnose Brustkrebs.
   

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