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Home Sonderthemen Gesamtausgabe Nachhaltige Geldanlagen
15:12 09.11.2020
Foto: m.mphoto/adobe.stock.com

Mit Geld etwas Gutes bewirken, geht das? „Nachhaltige Aktien- und Rentenfonds“ werden in verschiedensten Formen angeboten. „Doch es gibt keine genaue Definition, was eine nachhaltige Geldanlage ist“, sagt Michael Herte, gelernter Bankkaufmann und Jurist und Leiter des Referats Finanzdienstleistungen bei der Verbraucherzentrale Schleswig-Holstein. „Man muss genau hinsehen, was sich für Papiere in den Portfolios befinden“, sagt Herte.

Zunächst gibt es bei nachhaltigen Anlagen die sogenannten ESG-Kriterien. E steht für Enviroment (Umwelt), S für Social (Sozial/Ethik) und G für Governance (Unternehmensführung). Bei nachhaltigen Geldanlagen scheiden gemäß ESG-Ranking Werte von Unternehmen aus, die zum Beispiel an Waffen, Atomkraft, Drogenhandel oder Kinderarbeit beteiligt sind oder deren Handeln mit Krieg, Umweltschäden und ähnlichem in Zusammenhang stehen.

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„Das ist aber nur der erste Schritt“, sagt Oliver Stüven, Leiter des Bereichs „Private Banking“ bei der Sparkasse zu Lübeck AG. Sind die problematischen Papiere aussortiert, geht es weiter ins Detail. Doch würde Greta Thunberg den in den Fonds verbleibenden Werten ihren Segen geben? Es sind Unternehmen wie Mircosoft, Alphabet, Visa oder Nestlé, die einen beträchtlichen Anteil solcher Fonds ausmachen. „Oft erschließt sich die Nachhaltigkeit nicht auf den ersten Blick“, räumt Stüven ein. „Man muss manchmal etwas um die Ecke denken. Microsoft beispielsweise will in wenigen Jahren seinen gesamten Betriebsstrom selbst ökologisch herstellen und vertreibt Programme und Produkte, die andernorts zur Einsparung von Ressourcen beitragen“, erläutert Stüven. „Manche Unternehmen hängen sich aber auch nur einen grünen Mantel um, haben jedoch kaum wirklich nachhaltige Ansätze“, gibt Verbraucherschützer Herte zu bedenken. „Greenwashing“ lautet hier das Stichwort.

Einer der Gründe für die oft fragwürdige Zusammensetzung eines nachhaltigen Fonds ist quasi die Umkehrung des Konzeptes. „Best of class“ nennt sich das Prinzip, nach dem Aktien von Unternehmen ins Portfolio aufgenommen werden, die nur Grundkriterien der Nachhaltigkeit (ESG) erfüllen, aber diesen Entwicklungsweg weiter aktiv verfolgen.

Nachhaltig angelegtes Geld soll natürlich auch sicher sein. „Allen Geldanlagen liegt das „Magische Dreieck“ zugrunde“, erklärt Stüven. Rendite, Sicherheit und Verfügbarkeit sind die drei Eckpunkte, die nun durch Nachhaltigkeit ergänzt wird. „Man muss sich genau überlegen, was man mit dieser Geldanlage erreichen will“, sagt Verbraucherschützer Herte. Die Gewichtung auf eine Ecke des Vierecks wirkt sich auf die anderen Ecken aus.

Doch wie lassen sich Beschaffenheit und Nachhaltigkeit eines Fonds prüfen? Zunächst hat jeder Fonds einen sogenannten ISIN-Code (früher WKN-Wertpapierkennnummer). Mittels dieser International Securities Identification Number lässt sich die Anlegerinformation, eine Art Beipackzettel, mit den wichtigsten Angaben zum Produkt finden. Zudem gibt es für die Nachhaltigkeit auch spezielle Prüfsiegel. Eines der bekanntesten ist das Siegel des „Forums Nachhaltige Geldanlagen“ (FNG), das den Qualitätsstandard für nachhaltige Investmentfonds bewertet. Im Internet sind auch FNG-Listen vieler geprüfter nachhaltiger Fonds zu finden. Doch das ganze Metier ist extrem komplex und nichts für Hobby-Börsianer. „Wer Geld nachhaltig anlegen möchte, muss sich entweder sehr intensiv mit dem Thema auseinandersetzten oder sich umfangreich beraten lassen“, warnt Herte.

Am Ende bleibt die Frage, ob die Menschen mit der Wahl nachhaltiger Geldanlagen tatsächlich etwas bewirken können. Stüven ist optimistisch: „Die Finanzwirtschaft hat der Nachhaltigkeit zunächst keine vorrangige Bedeutung eingeräumt, doch das Thema wird immer mehr an Gewicht gewinnen.“ tha

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