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Home Themenwelten Events & Veranstaltungen Eutin: Einfach digital ins Ostholstein-Museum gehen
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13:07 06.04.2021
Für Live-Führungen, die ins Internet übertragen werden, folgt Susanne Cromwell (rechts) ihrer Chefin Dr. Julia Hümme mit der mobilen Multifunktionskamera auf Schritt und Tritt. Fotos: Graap

Eutin. Manche Kultureinrichtungen sind während der Corona-Krise in schwere See geraten. Dem Team des Eutiner Ostholstein-Museums ist es gelungen, das Ausstellungshaus auf Kurs zu halten. „Das vergangene Jahr war von zwei Lockdowns geprägt. Trotzdem sind wir tatsächlich nur mit einem blauen Auge davongekommen“, zieht Anja Sierks-Pfaff, Geschäftsführerin der Kulturstiftung des Kreises Ostholstein, eine Bilanz. „Da wir immer sehr vorsichtig kalkulieren, konnten wir das Soll 2020 erfüllen.“

Mit 11 400 Gästen sei die Besucherresonanz am Ende zufriedenstellend ausgefallen. Gerettet wurden die Zahlen durch die Verlängerung der durch ein ersten Lockdown unterbrochenen Barlach-Werkschau und der sehr erfolgreichen Ausstellung der Norddeutschen Realisten. „Man darf nicht darüber nachdenken, wie gut der Besuch ohne Corona-Krise hätte sein können“, meint Museumsleiterin Dr. Julia Hümme. Bis ins neue Jahr hinein war das Museum insgesamt fünf Monate geschlossen.

Blumenwerk Anne Hinrichsen

Auch wenn niemand weiß, wie sich die Corona-Lage genau entwickelt, haben die Mitarbeiterinnen im Hintergrund doch fleißig an dem Ausstellungsprogramm 2021 gearbeitet. „Wir werden sehen, was wir durchführen können. Bis zum 16. Mai jedenfalls ist die Landesschau des Bundesverbandes Bildender Künstler verlängert“, sagt Julia Hümme. Dann folgt ein fliegender Wechsel: Schon am 21. Mai werden im Dachgeschoss unter dem Titel „Schräge Typen“ Skulpturen von Marina Krohs gezeigt. Schlaksige, spindeldürre Figuren sind das Markenzeichen der Berliner Künstlerin. Sie karikiert Prominente, Popikonen und Politiker. „Das wird eine heitere Ausstellung, die Spaß macht“, verspricht Julia Hümme.

Angewandte Kunst von 15 Kunsthandwerkern aus Bornholm darf am Juni in Eutin bestaunt werden. Im August steht eine Reise durch die Kunstgeschichte auf dem Plan: Im Museum ist dann Malerei und Grafik von der Renaissance bis zur Pop Art aus norddeutschen Privatsammlungen zu sehen. Die Ausstellung „Der Deutschen liebstes Kind“ wirft einen Blick auf die Plakate der Autowerbung von den 50er-Jahren bis heute. Start ist am 27. August.

Anja Sierks-Pfaff bewertet 2020 als zufriedenstellend und freut sich aufs Programm 2021.
Anja Sierks-Pfaff bewertet 2020 als zufriedenstellend und freut sich aufs Programm 2021.

Im Herbst sind außerdem eine Wanderausstellung über Literatur in Deutschland, eine Retrospektive von Frauke Gloyer als Malerin der Norddeutschen Realisten und eine Bilderschau der Eutiner Künstlerin Louise M. Wagner (1875-1950) geplant.

Aufgrund der Pandemie hat sich das Ostholstein-Museum übrigens auch digital besser aufgestellt und ist zum Beispiel auf Instagram vertreten. Ein neues Zugpferd sollen jetzt die virtuellen Live-Führungen „Museum on tour“ werden, die nach Ostern für Gruppen buchbar sind. „Wir verschicken den Link zur Online-Führung per E-Mail an die Teilnehmer. Diese können mir dann auf dem Smartphone oder PC bei einem Rundgang durchs Museum folgen“, erläutert Hümme. Mitarbeiterin Susanne Cromwell geht ihrer Chefin dabei mit der mobilen Kamera hinterher. Das Live-Angebot ist auch interaktiv – die Gäste an den digitalen Endgeräten können der Museumsleiterin beispielsweise Fragen stellen.

„Anmelden können sich Gruppen ab zehn Personen, Seniorenheime können die Führung auf Großleinwand übertragen. Schulklassen, die nicht die Zeit finden, die Ausstellungen vor Ort zu besichtigen, können digital ins Museum gehen“, sagt Julia Hümme, die aber betont: „Einen Besuch im realen Museum kann das Projekt nicht ersetzen, es kann immer nur ein Zusatzangebot sein. Aber es bietet auch die Riesenchance, das Museum im Lockdown und darüber hinaus lebendig zu halten.“ Und letztendlich sei die digitale Führung auch ein Beitrag zu mehr Barrierefreiheit, ergänzt Anja Sierks-Pfaff. Wesentlich zur Realisierung beigetragen hat übrigens die Sparkassen-Kulturstiftung, die die Anschaffung des teuren Equipments finanziell gefördert hat. vg

Nähere Infos zu Öffnungszeiten und Angeboten sind online auf www.oh-museum.de zu finden.