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Home Sonderthemen Gesamtausgabe Bescheidenheit und Kreativität – Was uns das Virus lehrt
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11:54 07.05.2020
Grafik: Ghe - stock.adobe.com

Wie sich die Freizeitbeschäftigungen in der Coronakrise geändert haben. Kreativität ist gefordert. Und – sich mit Unspektakulärem zufrieden zu geben. Wertschätzung also, Bescheidenheit in Sachen Freizeitgestaltung.

Und wer kann schon ewig still sitzen – besonders jetzt, da der Frühling da ist und der Sommer sich ankündigt. Also drehe ich seit Wochen immer weitere Kreise um die Stadt. Fahrradfahren ist die Fortbewegungsart der Stunde. Es ist übertragungssicher in Sachen Virus. Und gesund war ist es ja ohnehin. Jeden Abend stelle ich neue Zweiradrekorde auf und holpere über neue Schleichwege, jedes Wochenende entdecke ich neue Strecken und Touren. Ich finde Winkel und Ecken in der Nähe, die ich noch nie gesehen habe.

Bootfahren ist fast noch besser. Glücklich, wer am Wasser wohnt oder es nicht weit dorthin hat. Sicherer geht es gar nicht, was die Regeln in Zeiten der Pandemie betrifft. Bei Ausweich- und Überholmanövern hält man ohnehin gebührenden Abstand zu anderen Kapitänen. Und hygienischer ist auch kaum möglich, dank ständigem Wasser an den Händen. Greifvögel kreisen, Reiher schnappen nach Fischen. Unter dem Bug ziehen maritime Landschaften vorbei, das Nass ist so klar, dass man Fischschwärme sieht, die erschrocken davon zischen. Und wenn die Sonne schräg steht, kommt man sich vor, als triebe man über eine Lagune. Muss man wirklich zum Grand Canyon reisen? Nach Thailand oder Südafrika? Urlaub im Land dürfte in diesem Sommer angesagt sein. In der kommenden Woche sollen Kanus, Kajaks und ähnliches in Schleswig-Holstein wieder verliehen werden dürfen.

Viele größere Freizeiteinrichtungen feilen an Konzepten für den Neustart – vom Hochseilgarten bis zum Freizeitpark. Von der Gastronomie und Hotelier ganz zu schweigen. Der Tourismus ist bei uns im Norden ein großer Wirtschaftsfaktor. Und da passt es doch eigentlich wirklich hervorragend, dass wir unser Glück in den warmen Monaten vielfach in unserer Region suchen werden.

Aber wie genau soll all das gehen? Jedes zweite Hotelbett belegen? Plexiglas zwischen Restauranttischen? Nur jeder zweite Platz in der Achterbahn besetzt?

Es wird ganz sicher funktionieren. So wie es funktioniert hat, dass wir uns an die Masken gewöhnt haben, Abstand zu halten und im Homeoffice zu arbeiten.

Es ist eine Frage der Kreativität. Und – da wollen wir ehrlich sein – der Bescheidenheit. os
    

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