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Home Sonderthemen Gesamtausgabe Stern-Zeichen, die Gefühle wecken
19:15 02.12.2019
Sollte man die von Karl Decker hangefertigten Sterne tatsächlich einmal abhängen wollen, lassen sie sich schön gefaltet gut aufbewahren. 

Es ist weit mehr als die Verarbeitung eines Naturmaterials, was Karl Decker antreibt: Das unterschiedliche Maserbild eines Holzes ist für ihn ein Gemälde, Jahresringe lassen ihn an den Rhythmus eines Liedes denken, und woher seine verwendeten Hölzer stammen, sind sowieso Geschichten, die eigens erzählt werden müssen.

Holz inspiriert ihn, lässt die Phantasie des 72-Jährigen schweifen, macht ihn glücklich. Als der Drechsler und Holzgestalter vor zehn Jahren seinen Stern aus Holz kreierte, ahnte er noch nicht, dass dieser Stern überregionale Aufmerksamkeit erregen würde. Dabei war es eher ein Zufall, der ihn dieses ästhetisch vollkommene Holzobjekt entwickeln ließ: Es war die spontane Entdeckung, dass der Holzspan, der ihm beim Schnitzen eines Hockers auf den Boden fiel, so schön geschwungen war, dass er nichts anderes werden konnte als ein Sternelement. Wie schön war doch die Form, und wie lebendig die Struktur! Wenn man diese Späne ungleich groß und leicht asymmetrisch zusammenfügen würde – heraus käme ein Stern von großer Eleganz und Strahlkraft. Er würde leuchten ohne künstlichen Lichtquelle, dachte sich Karl Decker. Für eine Themenausstellung im Kunst- und Gewerbemuseum Hamburg wurde die Idee Realität. Seither sind die fein gearbeiteten und zusammenklappbaren Decker’schen Sterne, die es von klein bis über mehr als einem Meter Spannweite gibt, bei vielen Menschen beliebt. Und das nicht nur zur Weihnachtszeit.
        


Seit fast vier Jahrzehnten gehört Karl Decker mit seinen feinen Holzprodukten zu den Stammausstellern des Weihnachtsmarktes im Heilig-Geist-Hospital. Seit drei Jahren ist er beim Kunsthandwerkermarkt im Hogehus anzutreffen. Ihn freut es, dass die Atmosphäre dort so schön privat ist und er den Kontakt zu seinen Kunden pflegen kann. Das ist ihm viel wert, denn seine Produkte, die aufgrund seiner handwerklichen Kunstfertigkeit das natürliche Material in seiner eigenen Schönheit präsentieren, machen die Menschen staunend.

Schnell entwickeln sich Gespräche: Über interessante Funde wie die 4000 Jahre alte Mooreiche, die zu einem schlichten aber umso aussagekräftigeren Wandkreuz wurde, von der majestätischen Esche am Rande der Lübecker Altstadt, deren krankheitsbedingte Fällung Decker begleitete und in einem seiner legendären Salzstreuer verewigte, von den Kirchenbänken in der Probsteikirche, deren Holz er so faszinierend fand, dass er daraus moderne Brotschalen machte, von den außergewöhnlichen Stämmen des geschmähten Riesenbärenklaus, der eine Metamorphose zum eleganten Kerzenleuchter erlebt, von Birken und Birnbäumen, von Pflaumen und Platanen, von Wacholder und Walnussholz.


Irgendwie sei seine Arbeit als Drechsler aus der Zeit gefallen, meint der 72-Jährige. Doch die Menschen geben ihm das Gefühl, als bräuchten sie ihn und seine Kunstfertigkeit. Sie errege wohl Emotionen, erklärt sich der Holzdesigner die große Aufmerksamkeit. Dass das Drechslerhandwerk 2018 von der UNESCO in das Verzeichnis des immateriellen Kulturerbes Deutschlands aufgenommen wurde, bestätigt ihn.

In diesem Jahr wird Karl Decker vom 30. November bis 15. Dezember sein neues Weihnachtsobjekt, die „Nante Perjamide“ im Hogehus präsentieren. Das einer Tanne nachempfundene Lichtergestell bezieht sich auf eine Form, die schon im 18. und 19 Jahrhundert den Tannenbaum in der Region rund um Berlin ersetzte und die Kunsthandwerker aus dem Erzgebirge zu ihren Pyramiden inspirierte. „Mit seiner Wiederverwendbarkeit ist die „Nante Perjamide“ mein Beitrag zu mehr Nachhaltigkeit auch beim Weihnachtsfest“, sagt Decker. cp

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