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Home Sonderthemen Ostholstein Tischler-Handwerk bildet aus
11:52 02.09.2019
Die Gesellenstücke sind öffentlich ausgestellt: Prüfungsausschussvorsitzender Volker Wiencke, Obermeister Jürgen Wulf und die Mitglieder des Prüfungsausschusses (v. l.) in der Sparkasse Holstein in Eutin. Foto: Bernd Gerwanski

Mit ihren 41 Mitgliedsbetrieben steht die Tischlerinnung Ostholstein Jahr für Jahr für die Ausbildung junger Menschen ein. „Es wird zwar immer schwieriger geeignete Leute zu finden“, erklärt Obermeister Jürgen Wulf. Dennoch könne eine etwa gleichbleibende Zahl an Ausbildungsplätzen geboten werden.  

Wer den Tischlerberuf erlernen möchte, sollte zumindest einen guten Hauptschulabschluss haben, ganz besonders gilt dies für das Fach Mathematik. „Sonst kann sich der Auszubildende nicht richtig in die Materie hineindenken“, betont der Obermeister. Aber auch Abiturienten seien durchaus in den Betrieben gerne gesehen. „Wir wissen, dass sie nach der Ausbildung den Betrieb wieder verlassen. Wenn diese jungen Leute später einmal in höheren Positionen wieder mit dem Handwerk zu tun haben sollten, wissen sie aber, wie es dort aussieht. Und auch das ist dann für uns positiv.“
  

Das Handwerk

Die dreijähriges Ausbildung zum Tischler beginnt mit dem Berufsgrundbildungsjahr (BGJ). Dieses findet in den Beruflichen Schulen in Oldenburg und Eutin statt. Beim Start in das BGJ haben die Auszubildenden nach Möglichkeit bereits einen Vorvertrag mit einem Betrieb, in dem sie dann zwei weitere Jahre ausgebildet werden.

Mitunter brechen manche Schulabgänger das BGJ ab, um sich anders zu orientieren. „Das ist ärgerlich“, sagt Jürgen Wulf. „Denn es gibt genügend Interessenten, denen diese Leute den Platz weggenommen haben. Die Anzahl der BGJ-Plätze ist schließlich begrenzt.“ bg
  

Obermeister Jürgen Wulf sitzt in einem Strandkorb – einem der diesjährigen Gesellenstücke. Foto: bg
Obermeister Jürgen Wulf sitzt in einem Strandkorb – einem der diesjährigen Gesellenstücke. Foto: bg

Die Auftragslage bei unseren Innungsbetrieben ist sehr gut“, erklärt Obermeister Jürgen Wulf. Ein Garant für die gute Auftragslage sei vor allem die Tourismus-Industrie. „Die Entwicklung im Tourismus ist positiv, davon profitieren wir auch.“

Dennoch sei es notwendig, die gesamte Auftragslage einmal näher zu beleuchten. „Trotz dieser an sich guten Situation ist das wirtschaftliche Ergebnis bei vielen Betrieben nicht auskömmlich“, führt der Obermeister aus. „Die Preise, die die Betriebe erzielen, sind oft zu niedrig. Man sollte bedenken, dass wir in unseren Betrieben teure Spezialmaschinen benötigen. Dies gilt, anders als in anderen Handwerksberufen, besonders für die Tischlereien.“ Problematisch sei für die Betriebe auch die zunehmende Bürokratie. „Wir bekommen immer mehr Auflagen, die zu beachten sind“, sagt Jürgen Wulf.

Auch die Ausschreibungspraxis des Landes Schleswig-Holstein sei sehr bürokratisch. „Diesen Aufwand können unsere kleinen Betriebe gar nicht leisten“, bedauert der Obermeister. Die Folge davon sei, dass sich Tischlereien aus Ostholstein schon gar nicht mehr an den Ausschreibungsverfahren beteiligten.

Ausdrücklich spricht sich Wulf dagegen aus, dass es in vielen Handwerksbereichen keine Meisterpflicht mehr gibt. Diese war vor 15 Jahren in 54 Gewerken aufgehoben worden. Nach Ansicht der Obermeisters ist die Meisterpflicht aber notwendig. „Es gibt mittlerweile schon zu viele Nicht-Meisterbetriebe. Die Meisterbetriebe sorgen hingegen für die Ausbildung der jungen Leute“, erklärt Jürgen Wulf. Es gebe Politiker, die die Meisterpflicht nicht für notwendig halten. Erst vor wenigen Tagen habe sich Schleswig-Holsteins Wirtschaftsminister Bernd Buchholz (FDP) bei einem Besuch in Neustadt entsprechend geäußert, bedauert Jürgen Wulf. Allerdings würden diese Politiker das duale System in der Ausbildung mit Berufsschule und Betrieb als Beteiligte positiv bewerten. „Doch nur wie Meisterbetriebe bilden aus und sorgen für den Erhalt der dualen Ausbildung“, betont der Obermeister. „Solche Meinungen wie die des Wirtschaftsministers passen also nicht zusammen.“ bg
  

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