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Home Sonderthemen Gesamtausgabe „Es fehlen Untersuchungen für die Therapie von Corona-Erkrankten“
13:52 05.06.2020
Prof. Dr. Jan Rupp ist der Direktor der Klinik für Infektiologie und Mikrobiologie am UKSH, Campus Lübeck. Foto: W. Maxwitat

Herr Prof. Dr. Rupp, wie ist nach den Lockerungen der Corona-Maßnahmen in den vergangenen Wochen die Situation im UKSH Lübeck? 

Die Situation hat sich deutlich entspannt. Wir haben hier aktuell keine Covid-Patienten mehr. Das Krankenhaus läuft mehr und mehr im Normalbetrieb. 
 
Wie gut ist die Medizin in Schleswig- Holstein aufgestellt – und wie viel besser als noch Anfang März?

Die Medizin sowohl im Bereich der niedergelassenen Ärzte als auch der Krankenhaus-Versorgung ist für ein Flächenland wie Schleswig- Holstein sehr gut aufgestellt. Bezüglich der Diagnosestellung sind wichtige klinische Erkenntnisse in den letzten Wochen zur Einschätzung von Krankheitsbildern hinzu gekommen, zugleich sind die Test- Kapazitäten extrem ausgeweitet worden, so dass frühzeitiger und bei geringstem klinischen Verdacht auf eine Infektion getestet werden kann. All das ist wichtig, um Einzelfälle rasch zu entdecken. In der Therapie ist der große Durchbruch noch nicht erbracht – es gibt aber die ersten Studien, die zeigen, dass eine medikamentöse Therapie die Erkrankungsdauer verkürzen kann. Wichtig sind aber vor allem Therapien, die einen direkten Einfluss auf die Krankheitsschwere und das Überleben der Patienten haben, da fehlen noch weitere Untersuchungen.

Wo sehen Sie Nachholbedarf in der Medizin, wo sind wir gut versorgt?

Aus meiner Sicht sind die Infrastrukturen, insbesondere auch an universitären Häusern, gut – gerade auch, was die Ausstattung mit Intensivbetten und die dort erforderliche hohe Versorgungsqualität betrifft. Was neben all den Diskussionen um bessere Ausstattung und dem Ruf nach Impfstoffen und neuen Therapien häufig vergessen wird, ist die Notwendigkeit, auf ein gut ausgebildetes und motiviertes Pflegeteam zurückgreifen zu können. Der Wunsch nach „Gesundheit“ steht für viele Bürger an erster Stelle, zugleich bekommen die Personen, die täglich in diesem Bereich arbeiten, häufig nicht die nötige Aufmerksamkeit und oft auch nicht eine adäquate Entlohnung. Das wäre jetzt auch eine Chance, hier nach zu bessern.

Die Immunitätsfrage ist weiter ungeklärt ?

Was einen langfristigen Schutz nach durchgemachter Infektion angeht, sind weiter viele Fragen offen.

Vermutlich halten deshalb auch Sie die Idee der Immunitätsausweise für wenig zielführend?

Ja. Aus meiner Sicht sind Immunitätsausweise nicht zielführend und aktuell unter wissenschaftlichen Aspekte auch ohne Aussagekraft.

Antikörpertests gelten weiterhin als unsicher – sehen Sie Entwicklungen, die deutlich Anlass zu anderen Einschätzungen geben?

Die vermeintlichen Schwachstellen der Antikörpertests sind kein SARS-CoV-2-spezifisches Problem, sondern betreffen das Testprinzip im Allgemeinen. Das heißt, die Empfindlichkeit eines Tests, zugleich aber auch die Effizienz, genau nur das eine Virus und nicht verwandte Viren nachzuweisen, all das hängt zusammen… und ist gerade in Bereichen, wo nur wenige Personen infiziert sind, ein Problem. Das bedeutet, dass das Verfahren bei solchen Tests auch nur bis zu einem gewissen Grad optimiert werden kann. Aber es gibt Verbesserung hinsichtlich der Schnelligkeit und auch, ob solche Tests gegebenenfalls in Praxen direkt vor Ort gemacht werden können. os

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