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Home Sonderthemen Gesamtausgabe UKSH Lübeck: Wenn die Wahrnehmung aus dem Lot gerät
12:47 05.06.2020
Je früher eine psychische Erkrankung therapiert wird, desto besser sind die Heilungschancen. Foto, Grafik: WavebreakMediaMicro, tomozina1 – stock.adobe. com

Menschen mit psychischen Erkrankungen befürchten oft Ausgrenzung und gesellschaftliche Stigmatisierung. Um dem Leidensdruck zu entgehen, ziehen sie sich zurück und sprechen kaum über ihre verunsichernden Erfahrungen. Die Folge: soziale Probleme und ein hoher Verlust an Lebensqualität. Psychische Erkrankungen sind zudem ein häufiger Grund für Arbeitsunfähigkeit und Frühverrentung. 

Erkrankungen wie schizophrene oder affektive Psychosen manifestieren sich bereits im jungen Erwachsenenalter, etwa zwischen dem 20. und 30. Lebensjahr. „Zuvor können aber schon jahrelang unspezifische Symptome bestehen, von denen man weiß, dass sie Anzeichen für eine beginnende psychische Erkrankung sein können“, erläutert Prof. Stefan Borgwardt, Direktor der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie am Universitätsklinikum Schleswig- Holstein, Campus Lübeck. Diese noch vor Ausbruch der Erkrankung zu erkennen, hat sich der Klinikchef zur Aufgabe gemacht. Zusammen mit seinem Expertenteam baut er am Zentrum für Integrative Psychiatrie (ZIP) die erste Frühinterventionssprechstunde für Erwachsene in Schleswig-Holstein auf.


"Die meisten psychotischen Erkrankungen sind bestens behandelbar."

Prof. Dr. Stefan Borgwardt, Direktor Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie am UKSH, Campus Lübeck


Klinische Kriterien

„Je früher eine beginnende psychotische Erkrankung erkannt wird, desto besser sind die Behandlungsmöglichkeiten und desto eher kann man den Ausbruch einer schweren Psychose verhindern oder ihren Verlauf positiv beeinflussen“, so Prof. Borgward. Obwohl die Frühphase einer Psychose schwer von anderen psychischen Erkrankungen zu differenzieren ist, existieren klinische Kriterien, die eine Vorhersage über den weiteren Verlauf erlauben.


Niederschwelliges Angebot

Oftmals spielen Auffälligkeiten wie Rückzug von Freunden und Familie eine Rolle, außerdem treten häufig Stimmungsänderungen, Konzentrations- oder Schlafstörungen auf. Diese unspezifischen Symptome, die oft Teil einer „Entwicklungskrise“ sind, stellen manchmal Frühwarnzeichen dar und können in psychische Erkrankungen übergehen. Dank des modernen Diagnostikangebots im ZIP können die Experten schon vor einem Erkrankungsausbruch anhand bestimmter Kriterien erste Anzeichen erkennen. Prof. Stefan Borgwardt betont: „Unser niederschwelliges Angebot soll Betroffenen und ihren Angehörigen eventuelle Berührungsängste nehmen. Zu uns kann jeder kommen und Fragen stellen, Ängste oder Wahrnehmungsstörungen äußern oder auch über auftretende Suizidgedanken sprechen. Wir stehen den Betroffenen mit viel Verständnis und Erfahrung sowie mit modernster klinischer Diagnostik, Computertests und bildgebenden Verfahren wie MRT und EEG zur Seite. Zudem verfügen wir bei uns über die Möglichkeit, neurobiologische und genetische Marker zu bestimmen.“

Prof. Dr. Stefan Borgwardt, Direktor der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie. Foto: UKSH
Prof. Dr. Stefan Borgwardt, Direktor der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie. Foto: UKSH

Individuelle Therapie

Wenn sich in den Gesprächen und Testungen herausstellt, dass eine beginnende oder schon bestehende psychotische Erkrankung vorliegt, stellt das Team um Prof. Borgward eine individuelle Therapie für den Betroffenen zusammen. Zu den Modulen gehören unter anderem Psychotherapie, Medikamente, Einzel- und Gruppengespräche, Ergo- und Physiotherapie oder auch Bewegungs- und Ernährungsberatung. „Die meisten psychotischen Erkrankungen sind bestens behandelbar“, weiß der Mediziner, der vor seiner Berufung nach Lübeck im Oktober 2019 an renommierten Kliniken in Basel und London tätig war. Neben neu etablierten Früherkennungen und Frühbehandlungen stellen die nach international anerkannten Richtlinien durchgeführten integrativen Therapien von Menschen mit Depressionen, Angst-, Zwangs-, Schlaf- und Persönlichkeitsstörungen sowie von Suchterkrankungen Schwerpunkte der Klinik dar.

Je nach Schwere der Erkrankung und nach dem persönlichen Patientenwunsch kann die Behandlung im ZIP stationär, teilstationär oder ambulant erfolgen. Jessica Ponnath


ZIP – Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie

Universitätsklinikum Schleswig-Holstein Campus Lübeck

Zentrum für Integrative Psychiatrie ZIP gGmbH

Klinikdirektor: Prof. Dr. Stefan Borgwardt

Ratzeburger Allee 160, 23538 Lübeck
Tel. 0451/ 500 - 98801
www.uksh.de/psychiatrie-luebeck

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