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Home Sonderthemen Gesamtausgabe Traumstart, DFB-Pokal, Jubiläum, Corona – eine historische Saison mit Happy End für den VfB Lübeck
10:43 19.06.2020
Die Lübecker Mannschaft feiert den 2:1-Sieg in Wolfsburg mit ihren mitgereisten Fans. Foto: 54° / John Garve

Der VfB Lübeck geht in der kommenden Saison in der 3. Liga an den Start – es ist eine Rückkehr in den Profifußball nach 16-jähriger Abstinenz und dem Abstieg 2004 aus der 2. Bundesliga. Wir blicken zurück auf eine turbulente Saison mit vielen Höhen und wenigen Tiefen und werfen einen Blick nach vorn auf eine Liga mit vielen spannenden Traditionsvereinen.

Start nach Maß

Der Start in die Saison gelingt mustergültig, wenngleich der Glanz aus der Rückrunde der Vorsaison noch fehlt. Fünf Siege schafft der VfB zum Auftakt, schlägt Jeddeloh (3:1), Lüneburg (2:0) und St. Pauli II (3:2) daheim, müht sich auswärts zu einem Last-Minute-2:1 bei Altona 93 und lässt sich vom sympathischen Aufsteiger Heider SV (4:0) nicht überraschen. Mit der Maximalausbeute von 15 Punkten aus fünf Spielen grüßt der VfB früh von der Tabellenspitze.

Nicolas Hebisch (Lübeck) trifft gegen Holstein Kiel II.
Nicolas Hebisch (Lübeck) trifft gegen Holstein Kiel II.

Drama in drei Akten

Das Highlight erleben die Fans im DFB-Pokal. Auf einer ausverkauften Lohmühle dominiert der VfB den Zweitligisten FC St. Pauli, führt durch Tore von Yannick Deichmann und Marvin Thiel mit 2:0 und muss binnen weniger Minuten den Ausgleich und in der Verlängerung sogar den Rückstand hinnehmen. Ahmet Arslan gelingt in der 115. Minute zwar der umjubelte 3:3-Ausgleich, im Elfmeterschießen ist aber ausgerechnet er es, dem neben dem Ex-St. Paulianer Miguel Fernandes die Nerven vom Punkt versagen – der VfB unterliegt mit 3:4.

Die Lübecker Fans organisieren vor dem Spiel eine Choreo.
Die Lübecker Fans organisieren vor dem Spiel eine Choreo.

Niederlage zum Jubiläum

Zwei Wochen später wird es feierlich. Das nächste Highlight steht ins Haus, der Spielplan schenkt dem VfB zum 100. Geburtstag das Topspiel gegen VfL Wolfsburg II auf die Lohmühle. Rund 7000 Fans sind dabei und sehen die VfB-Führung durch Arslan, später den kurzen Flutlichtausfall und zwei Tore für den VfL. Die Tabellenspitze ist futsch.

Freude über das 1:0 von Fabio Parduhn gegen Altona 93.
Freude über das 1:0 von Fabio Parduhn gegen Altona 93.

Herbst-Blues reloaded

Der triste Herbst kostet dem VfB auch in diesem Jahr Punkte. Von Anfang September bis Mitte Oktober gewinnt der VfB sechs der sieben Spiele und verliert nur in Rehden (0:1). Doch die Niederlagen in Havelse (1:3), Drochtersen (0:1) und der Punktverlust in der Nachspielzeit in Jeddeloh (3:3) sorgen für graue Wolken über der Lohmühle.

Torreicher Jahresabschluss

Der VfB zieht sich aber am eigenen Schopfe aus der Mini-Krise. Zunächst erfolgt die einvernehmliche Trennung von Sportdirektor Stefan Schnoor, danach gelingt mit Siegen in Lüneburg (3:1), gegen Heide (7:0), bei Holstein II (5:0) und gegen Altona 93 (2:0) ein torreicher Jahresabschluss. Mit zwölf Punkten und 17:1 Toren aus fünf Spielen stellt der VfB den Anschluss an Tabellenführer Wolfsburg wieder her.


Topspiel wird zum Endspiel

Auch der Start ins neue Jahr gelingt. Beim FC St. Pauli II siegt der VfB mit 2:1, zu Hause folgt in einer echten Abnutzungsschlacht ein 4:0 gegen Holstein Kiel. Winterzugang Elsamed Ramaj trifft erstmals. Gut gerüstet geht es somit zum Topspiel nach Wolfsburg. Hier gehen die Hausherren durch einen Zauberfreistoß in Führung, doch Florian Riedel und Ahmet Arslan wenden nach der Pause das Blatt und schießen den VfB zurück an die Spitze. 1400 VfB-Fans machen das Auswärts- zu einem Heimspiel, das am Ende sogar ein Endspiel ist. Entsprechend – als hätte man eine Vorahnung gehabt – fällt die Feier nach dem Spiel aus. Corona ist noch ganz weit weg. Das 2:1 in der Nachspielzeit gegen HSC Hannover eine Woche später ist der dramatische Abschluss einer kuriosen Saison.

Veränderungen im Kader…

Der Kern der gewachsenen Mannschaft bleibt in der kommenden Spielzeit zusammen. Leistungsträger wie Tommy Grupe, Sven Mende, Yannick Deichmann, Florian Riedel, Marvin Thiel oder Patrick Hobsch haben ihre Verträge verlängert, Lukas Raeder, Ryan Malone und Morten Rüdiger hatten ohnehin noch einen gültigen Kontrakt. Neu dabei sind der erfahrene Mirko Boland (unter anderem 1. und 2. Bundesliga für Eintracht Braunschweig), Thorben Deters (Lüneburger SK), Dren Feka (Drochtersen/Assel) und Torhüter Michael Luyambula (Birmingham City).

Mit Kapitän Daniel Halke, Dongsu Kim, Kresimir Matovina, Zeki Erkilinc, Miguel Fernandes, Malte Schuchardt und Fabio Parduhn verlassen etliche Spieler den Klub. Besonders schmerzlich sind die Abgänge von Ahmet Arslan (zum Landesrivalen Holstein Kiel) und Dennis Hoins (Karriereende).

…und im Stadion

Im Stadion wird sich ebenfalls einiges verändern. Mindestens zwei Millionen Euro wird der Verein nach eigenen Angaben in den nächsten zwölf bis 14 Monaten investieren müssen, um den Anforderungen gerecht zu werden. Kurzfristig zählen dazu Investitionen in Räume für Presse und DRK sowie in die Sanierung des Flutlichts und der Beschallung sowie in die Sicherstellung der Verkehrstauglichkeit. Bis spätestens zur Saison 2020/2021, den Klassenerhalt vorausgesetzt, muss dann auch eine Rasenheizung auf der altehrwürdigen Lohmühle verlegt werden.

Start im September

Spätestens, wenn der DFB den Spielplan veröffentlicht, wird auch der letzte VfBer endgültig realisiert haben, dass sein Verein zurück im Profifußball ist. Dann geht es nicht mehr nach Jeddeloh II, Drochtersen oder Rehden. Der 1. FC Kaiserslautern wartet auf dem berühmt-berüchtigten Betzenberg, der traditionsreiche TSV München 1860 im noch traditionsreicheren Stadion an der Grünwalder Straße. Ob dann allerdings wieder Zuschauer dabei sein dürfen, ist heute noch nicht absehbar. Derzeit beendet die 3. Liga ihre Serie im „Geisterspiel-Modus“ – und es ist zu befürchten, dass es im September ähnlich in die neue Spielzeit geht.


Euphoriewelle


Die 91. Spielminute am 7. März 2020 hatte historischen Charakter. Sven Mende erzielte um 15.46 Uhr den umjubelten Sieg- und auch Aufstiegstreffer gegen HSC Hannover. Danach rückte der Sport in den Hintergrund und das Coronavirus beherrschte das Geschehen. Lange war unklar, ob und wie mit der diesjährigen Spielzeit in der Regionalliga Nord verfahren wird. Am 22. Mai 2020 die erlösende Mitteilung: Das Präsidium des Norddeutschen Fußballverbandes stimmte dafür, die Quotienten-Regelung anzuwenden und die Saison 2019/2020 abzubrechen. Zudem votierte das Präsidium dafür, den VfB Lübeck als Aufsteiger in die 3. Liga zu benennen und lehnte damit eine zuvor thematisierte Aufstiegsrelegation gegen VfL Wolfsburg II ab. Die Rückkehr des VfB Lübeck in den Profi-Fußball löste eine große Euphoriewelle in der Hansestadt aus.

Auf diesem Wege bedanken wir uns bei allen Mitgliedern, Fans, Sponsoren, unserem Trainerteam, dem Staff, der Mannschaft und bei allen Mitarbeitern.

Mit sportlichen Grüßen
Vorstand VfB Lübeck v. 1919 e.V.

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