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Home Sonderthemen Gesamtausgabe Wann sich die Miete von Geräten lohnt
06:52 12.11.2020
Der alte Fernseher ist hinüber, für einen neuen gerade kein Geld übrig. Möglicherweise ist das Mieten eines Gerätes eine Lösung. Foto: haizon - stock.adobe.coma 

Fernseher, Baumaschinen, Werkzeuge, Kühlschrank – da muss neues her, aber das Konto ist gerade leer. Dienstleister wie Grover oder Otto Now und mit ihnen kooperierende Händler wollen da ins Spiel kommen und bieten solche Geräte zur Miete statt zum Kauf an. Ihr Versprechen: stets die neueste Technik, mehr Nachhaltigkeit, Kostenübernahme bei Schäden sowie kostenloser Rückversand. Aber für wen lohnt sich so ein Mietmodell?

Bequem, schnell und einfach

Das Konzept „Leihen statt Kaufen“ sei für neue Zielgruppen entstanden, für die Besitz kein Statussymbol mehr darstelle, erklärt Eva Stüber vom Institut für Handelsforschung (IFH) in Köln. „Es bedient Bequemlichkeit, Schnelligkeit, Einfachheit und entspricht dem Zeitgeist.“ Dass Handelsketten wie etwa Mediamarkt, Saturn oder Gravis, die eigentlich ausschließlich verkaufen, mittlerweile auch vermieten, zeige den gerade stattfindenden Umbruch.

Immer auf dem neuesten Stand

Lisa Brack vom Magazin „Chip“ sieht zwei Anwendungsfälle für das Leihen von Geräten. Nummer eins: Ein technikaffiner Mensch will stets die neuesten Gadgets besitzen oder zumindest testen, aber nicht so viel zahlen.

Fall Nummer zwei: Jemand benötigt nur für einen gewissen Zeitraum ein bestimmtes Produkt. Zum Beispiel, um sich die Wohnung, die nur auf Zeit gemietet ist, mit Fernseher und Anlage wohnlicher zu machen.

Dauerhafte Nutzung – lieber kaufen

Ob sich das Leih-Modell tatsächlich lohnt, kommt auf den Artikel und die Dauer der Nutzung an. Nach Erfahrung der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen sind die Leihgebühren gerade bei „Weißer Ware“, also etwa Waschmaschinen oder Geschirrspülern, recht hoch. „Häufig hat man nach drei Jahren so viel Miete bezahlt wie eine Waschmaschine kostet“, erklärt Umweltexperte Philip Heldt von der Verbraucherzentrale NRW. Die halte in der Regel nicht nur drei Jahre, sondern eher zehn bis 15. „Es gibt kaum Weiße Ware, bei der sich das Mieten lohnt“, sagt Heldt.

Bei einer temporären Wohnung könne jedoch auch die gemietete Waschmaschine attraktiv werden. Die Kosten liegen je nach Modell bei etwa 30 Euro im Monat, um bei dem Beispiel Waschmaschine zu bleiben. „Meist werden höherwertige Modelle verliehen“, erläutert er. Der Vorteil: Anlieferung, Anschluss und Abholung sind im Preis meist enthalten.

Bei Otto Now etwa beträgt die Mindestmietzeit gemäß Homepage je nach Produkt ein, drei, sechs, zwölf oder 24 Monate. Grover gibt ein, drei, sechs oder zwölf Monate an. Nach der Mindestmietzeit reduziert sich bei Otto Now der Preis automatisch und die Kündigung ist monatlich möglich.

Reparatur wird meist übernommen

Und was, wenn das gemietete Stück kaputt geht? Für diesen Fall soll man den Vertrag unbedingt darauf prüfen, ob eine Versicherung gegen Schäden enthalten oder wie im Schadensfall vorzugehen ist, raten die Experten. Gibt es beispielsweise einen Selbstbehalt bei fälligen Reparaturen?

Grover wirbt damit, im Schadensfall, etwa bei „technischen Defekten, Display-Bruch, Wasserschäden und starken Abnutzungserscheinungen“ 90 Prozent der Reparaturkosten zu übernehmen, bei Drohnen 50 Prozent. Auch Otto Now verspricht bei „sachgemäßer Nutzung“ Reparatur oder Austausch. Gebrauchsspuren nehmen jedoch beide in Kauf.

Auch nachträglicher Kauf möglich

Sollte einem das Gerät zu gut gefallen, um es wieder wegzugeben, bietet Grover an, dass man es kaufen kann. Auch bei Otto Now ist dies für bestimmte Fabrikate möglich. „Das Mieten ist dann wie ein Abbezahlen und wird entsprechend angerechnet“, legt Brack dar. „Der Kunde bleibt flexibel.“

Der darf allerdings nicht erwarten, immer ein Neugerät zu bekommen. Schließlich spielt bei dem Konzept auch der Nachhaltigkeitsgedanke eine gewisse Rolle. „Möglicherweise handelt es sich um wiederaufbereitete Artikel“, führt Brack aus. Zudem seien nicht immer alle Gadgets sofort verfügbar.

Das Geschäftsmodell sei durchaus zu begrüßen, resümiert Heldt. Die Kunden hätten weniger Ärger mit Lieferung oder Reparatur, weil die Ware im Besitz des Herstellers bleibe. Nur an den Kosten müsse sich noch etwas tun. „Einfach mal ausprobieren“, empfiehlt Stüber. Denn das Modell eigne sich gut, um Erfahrungen zu sammeln. dpa
  

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