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Home Sonderthemen Gesundheit & Pflege Was das Blut verrät
17:06 14.05.2018
Bis zur Erstellung des Laborbefundes durchlaufen die Blutentnahmeröhrchen zahlreiche Stationen. FOTOS: DAN RACE, PSDESIGN1/FOTOLIA

14.05.2018

Gesundheit & Pflege

Das Blut verrät vieles darüber, wie gut die Organe funktionieren und ob das Risiko für eine Krankheit besteht“, erklärt Dr. med. Petra Bartsch, Fachärztin für Allgemeinmedizin in Lübeck. „Blutwerte geben außerdem darüber Auskunft, wie gut eine Behandlung anschlägt.“ Weil Blut aussagekräftig ist, gehört dessen Analyse auch zur Standarduntersuchung bei einem medizinischen Check-up, den die gesetzlichen Krankenkassen allen Mitgliedern ab dem 35. Lebensjahr im Rahmen der Vorsorgeuntersuchung erstatten. Alle zwei Jahre können Patienten erfahren, ob ihr Gesamtcholesterin und der Glukosegehalt im Blut in Ordnung sind. „Das ist wichtig, um das individuelle Risiko, beispielsweise einen Diabetes mellitus zu bekommen, abschätzen zu können.“

Wenn Patienten wissen möchten, wie es um ihre Leber steht, wie die Schilddrüse arbeitet oder ob der Vitamin D-Gehalt in ihrem Blut in Ordnung ist, sollten diese Parameter die Standarduntersuchung ergänzen. Das sogenannte „Kleine Blutbild“ sowie Eisen-, Leber-, Nieren- und Schilddrüsenwerte müssen gesetzlich Versicherte als Individuelle Gesundheitsleistungen (IGeL) privat bezahlen. Doch damit erhalten sie Informationen über den Hämoglobingehalt des Blutes, über die Funktionsfähigkeit der Nieren, die Aktivität ihrer Leber und bei Männern über die Höhe des PSA-Wertes, der auf eine Erkrankung der Prostata hinweisen kann.

Allerdings: Besteht der dringende Verdacht auf eine Erkrankung und der Test ist wichtig für die Diagnose, wird die Untersuchung des Blutes auf bestimmte Parameter von den Krankenkassen übernommen.

Das „Kleine Blutbild“ kann ergänzt werden. Wenn der Arzt es für notwendig hält, lässt er ein „Großes Blutbild“ anfertigen. Dann werden zusätzlich die Untergruppen der Leukozyten, also der weißen Blutkörperchen, untersucht.

High-Tech-Analyse

Blutbilder werden in Speziallabors erstellt. Dort können die Experten rund tausend Parameter im Blut bestimmen. Moderne Analysegeräte brauchen nur wenige Minuten, um 100 000 Blutzellen für ein kleines Blutbild auszuzählen. Im Labor wird auch klar, warum bei der Blutentnahme aus der Vene verschiedenfarbige Röhrchen verwendet wurden. „Beim Blutbild geht es vor allem um die festen Bestandteile. Deswegen sind in den Röhrchen verschiedene Zusätze, beispielsweise gerinnungshemmende Stoffe.“

Quick-Test und Blutsenkung

Andererseits gilt es bei bestimmten Patienten, regelmäßig und schnell die Gerinnungsfähigkeit des Blutes zu bestimmen. Dazu zählen beispielsweise jene, die das Medikament „Marcumar“– ein Arzneimittel zur Hemmung der Blutgerinnung – einnehmen. Die Bestimmung des Gerinnungsfaktors funktioniert mithilfe des Quick-Tests, der am Ohrläppchen oder auch mit venösen Blut durchgeführt wird. Das Ergebnis wird als Quick-Wert beziehungsweise als INR-Wert angegeben. Für den Quick-Wert wird dem Blut eine gerinnungsauslösende Substanz beigefügt und die Zeit gemessen, bis das Blut geronnen ist. Eine normale Blutgerinnung setzt nach etwa 15 Sekunden ein.

Auch eine Blutsenkung kann sofort in der Praxis vorgenommen werden. Dabei prüft man, wie schnell die Bestandteile im Blut zu Boden sinken. „Die Blutsenkungsgeschwindigkeit der Blutkörperchen kann beispielsweise Hinweise auf Entzündungen geben“, erklärt Dr. Bartsch.

Elemente der Diagnose

Blutzucker und Blutfette sowie Leber-, Eiweiß- und Hormonwerte im Blut sind wesentliche Bausteine bei der Erstellung einer Diagnose. Doch wer bestimmt eigentlich, womit diese verglichen werden? „Die Medizin orientiert sich an Durchschnittswerten gesunder Menschen unterschiedlichen Alters“, erläutert Dr. Bartsch. „Wichtig für Mediziner ist zu erkennen, wie sich die Werte über einen gewissen Zeitraum hinweg entwickeln. Ärzte können daraus Rückschlüsse auf schleichende Erkrankungen ziehen. Die Analyse von Blutwerten ersetzt jedoch nicht die gründliche körperliche Untersuchung sowie das Patientengespräch, sondern ergänzt sie.“ Carola Pieper

Das große Blutbild

Granulozyten geben zum Beispiel Auskunft über eine Lungenentzündung oder Blutvergiftung.

Monozyten (Mono) sind vermehrt, wenn eine Infektion mit Bakterien oder Pilzen vorliegt. Erhöhte Werte an

Lymphozyten (Lympho) können auf bestimmte Krebsarten (etwa Leukämie) oder spezielle Autoimmunkrankheiten (Sarkoidose) hinweisen, zu niedrige Werte etwa auf Morbus Hodgkin oder Colitis ulcerosa.


Das kleine Blutbild

Leukozyten (Leuko) oder WBC (white blood cells): Erhöht: bakterielle Infektionen, Allergien. Zu niedrig: Vergiftungen oder Virusinfektionen.

Thrombozyte
n (Thrombo): Erhöht: nach Operationen oder hohem Blutverlust. Zu niedrig: Gefahr von Blutungen.

Erythrozyten
(Ery oder RBC – red blood cells): Erhöht: Risiko von Durchblutungsstörung, Thrombose, Schlaganfall, Infarkt. Zu niedrig: Blutarmut (Anämie).

Hämoglobin (Hb – roter Farbstoff im Blut): Zu niedrig: Hinweis auf Nierenerkrankungen, Eisenmangelerkrankungen oder entzündliche Magen-Darm-Erkrankungen.

Hämatokrit (Hkt/Hct – Volumenanteil der roten Blutkörperchen). Zu hoch: Gefahr von Blutgerinnsel, Herzinfarkt oder Schlaganfall.

Glutamat-Oxalacetat-Transaminase
(GOT): Erhöht: Leberentgiftung funktioniert nicht richtig.

Glutamat-Pyruvat-Transaminase (GPT): Zu hohe Werte treten bei Leber- und Gallenblasenentzündung auf.

Alkalische Phosphatase (AP): Hohe Werte bedeuten ebenfalls Leberbelastung.

Gamma-Glutamyl-Transferase (GGT): Bereits kleinste Leberbelastungen äußern sich in einem Anstieg der GGT. Im Zusammenhang mit Organbelastungen und Infektionskrankheiten überprüft der Arzt auch häufig das Gamma-Globulin. Dabei handelt es sich um ein Bluteiweiß, das bei bestimmten Erkrankungen – auch der Leberzirrhose – erhöht ist.

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