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Home Sonderthemen Nordwestmecklenburg Was tun, wenn die Schultersehne reißt 
13:19 08.02.2019
Prof. Dr. med. Justus Gille ist zufrieden: Die Nachuntersuchung zeigt, dass Franziska Hinz Verletzung verheilt ist. FOTO: J. PONNATH

Feldhockey ist die sportliche Leidenschaft von Franziska Hinz. Doch das Foul einer Gegenspielerin bedeutete für die 24-Jährige vorübergehend das Aus: Beim Zusammenprall mit der Kontrahentin riss eine Sehne in Hinz linker Schulter. Zunächst spürte sie die Verletzung kaum, aber schon bald fehlte ihr zunehmend Kraft in der Schulter. Ob im Alltag, beim Sport oder bei der Hausarbeit – die junge Frau bemerkte immer häufiger belastungsabhängige Schmerzen beim Heben des Armes.

Der Weg zu einer professionellen Behandlung der Sportverletzung war für die medizinische Fachangestellte nicht weit: Sie arbeitet am Universitätsklinikum Schleswig-Holstein, Campus Lübeck zusammen mit Prof. Dr. med. Justus Gille, Bereichsleitung für Arthroskopie, Gelenkchirurgie und Sportmedizin der Klinik für Orthopädie und Unfallchirurgie. Als Franziska Hinz dem Arzt den Unfallhergang schilderte, veranlasste dieser zunächst eine Magnetresonanztomografie (MRT) des betroffenen Gelenks. Schnell bestätigte sich der Verdacht des Experten: eine Sehnenruptur in der Tiefe der Schulter, die einen chirurgischen Eingriff erforderlich machte.

Der Operateur arbeitet mit einer Mini-Kamera und kleinen Scheren im Schultergelenk.                                   FOTOS: SMARTMEDIADESIGN/STOCK.ADOBE.COM, UKSH
Der Operateur arbeitet mit einer Mini-Kamera und kleinen Scheren im Schultergelenk.                                   FOTOS: SMARTMEDIADESIGN/STOCK.ADOBE.COM, UKSH

Die Schulter ist ein komplexes Gebilde, das von einem empfindlichen Sehnen-, Knochen und Muskelsystem zusammengehalten wird. Viele Schulteroperationen, die früher noch über große Hautschnitte und Gelenkeröffnungen durchgeführt werden mussten, können heute arthroskopisch, in „Schlüsselloch-Chirurgie“, erfolgen. Bei dem vergleichsweise schonenden Eingriff führt der Operateur durch kleine Hautschnitte spezielle Instrumente in die Schulter ein, die neben einer Mini-Kamera auch winzig kleine Scheren, Messer und Fräsen enthalten. Die Kamera überträgt die Bilder aus dem Gelenkinneren auf einen großen Bildschirm über dem Operationstisch. Das erlaubt dem Arzt, die geschädigten Gelenkstrukturen detailliert zu betrachten und diese noch während desselben Eingriffs mithilfe der feinen Arbeitsinstrumenten zu behandeln. „Neben dem Spülen des Gelenkes mit sterilen Flüssigkeiten zum Ausspülen abgetragenen Gewebes können auch Strukturen des Gelenkraumes wieder hergestellt werden und so unter anderem auch Sehnen wieder angenäht werden“, sagt Dr. Sarah Schuschan, stellvertretende Leiterin des Bereichs für Arthroskopie, Gelenkchirurgie und Sportmedizin.

Die feinen chirurgischen Instrumenteerfordern lediglich kleine Hautschnitte.                         GRAFIK: BILDERZWERG/STOCK.ADOBE.COM
Die feinen chirurgischen Instrumenteerfordern lediglich kleine Hautschnitte.                         GRAFIK: BILDERZWERG/STOCK.ADOBE.COM

Die schonende Arthroskopie bietet im Gegensatz zu einer offenen Schulteroperation zahlreiche Vorteile: Der Arzt kann sämtliche Bereiche des Schultergelenks einsehen, ohne dabei umliegende Gewebe- und Muskelstrukturen zu verletzen. So bedeutet eine Arthroskopie auch für den Patienten eine deutlich geringere Belastung: Sie ist mit weniger Schmerzen und einem schnelleren Heilungsverlauf verbunden. Betroffene können das behandelte Gelenk früher wieder belasten und müssen nur in seltenen Fällen wenige Nächte in der Klinik verbringen. Auch Operationsrisiken wie etwa Wundinfektionen, Nervenschäden oder Nachblutungen treten sehr viel seltener auf. „In den meisten Fällen gelingt es uns, dass die Schmerzen bereits kurz nach der Operation auf ein Minimum zurückgehen“, sagt Gille. Oft kann man sogar schon am Tag des Eingriffs mit der notwendigen physiotherapeutischen Nachbehandlung beginnen.

„Eine Arthroskopie wird am häufigsten bei Schulter- und Knieverletzungen vorgenommen, etwas seltener auch bei Eingriffen am Hüft- und Kniegelenk“, so Gille. Er empfiehlt seinen Patienten, nach einer Arthroskopie eine Pause von bis zu sechs Wochen einzulegen, um in dieser Zeit das volle Bewegungsausmaß des Gelenkes wiederzuerlangen. „Denn auch wenn die Operationsmethoden sich stetig verbessern, brauchen Sehnen und Muskeln die gleiche Zeit wie einst, um wieder vollkommen zusammenzuwachsen“, betont der Spezialist.

Franziska Hinz ist inzwischen wieder ganz im beruflichen und privaten Alltag angekommen. „Ich kann meine Schulter wieder wie früher belasten. Da gibt es keine Einschränkungen mehr“, sagt sie. Selbst dem Feldhockey, kann sie mittlerweile nachgehen.Mit einem winzigen Handicap: Sie brauchte eine längere Phase, um sich bei rasanten Spieleinsätzen wieder etwas zuzutrauen. „Aber das hat nichts mit der Schulter zu tun – das ist reine Kopfsache.“ Jessica Ponnath

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Prof. Dr. med. Christian Jürgens, Direktor der Klinik für Orthopädie und Unfallchirurgie.
Prof. Dr. med. Christian Jürgens, Direktor der Klinik für Orthopädie und Unfallchirurgie.
Prof. Dr. med. Andreas Paech, Chefarzt und stellv. Direktor der Klinik für Orthopädie und Unfallchirurgie.
Prof. Dr. med. Andreas Paech, Chefarzt und stellv. Direktor der Klinik für Orthopädie und Unfallchirurgie.
Prof. Dr. med. Justus Gille, Oberarzt, Bereichsleitung für Arthroskopie, Gelenkchirurgie und Sportmedizin.
Prof. Dr. med. Justus Gille, Oberarzt, Bereichsleitung für Arthroskopie, Gelenkchirurgie und Sportmedizin.

Klinik für Orthopädie und Unfallchirurgie

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Tel. 0451/ 500 - 41101

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