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Home Themenwelten Gesamtausgabe Wenn bei Männern die Prostata auf die Blase drückt
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13:04 05.02.2021
Den Patienten werden die Therapieansätze genau erklärt. Fotos: Pixel-Shot, Henrie - stock.adobe.com
Sana Kliniken Lübeck GmbH

Ein Viertel aller älteren Männer leidet an Beschwerden einer gutartigen Prostatavergrößerung. Die Prostata sitzt unter der Blase ringförmig um die Harnröhre und produziert den flüssigen Anteil des Samenergusses. Mit zunehmendem Lebensalter kommt es zu zellulären Umbauprozessen innerhalb der Prostata, welche zu einer Vergrößerung des Organs führen können. Wir fragen PD Dr. med. habil. Claudius Füllhase, Oberarzt in der Klinik für Urologie an den Sana Kliniken Lübeck und ab April Chefarzt-Nachfolger von Dr. med. Thomas Dann. 

LN: Welche Beschwerden verursacht die Prostatavergrößerung? 

PD Dr. Füllhase: Eine normale Prostata hat in etwa die Größe einer Kastanie, eine vergrößerte kann die einer Orange annehmen. Dies führt zu einem Einengen der Harnröhre, was sich mit dem Gefühl drücken zu müssen, um den Urin herauszubekommen, sowie einem abgeschwächten Harnstrahl und Nachträufeln bemerkbar machen kann. Die Einengung führt auch dazu, dass die Blase, die ein Muskel ist, gegen einen erhöhten Widerstand drücken muss. So kann der Blasenmuskel überaktiv werden, was sich in überfallartig stärkstem Harndrang äußert. Zudem gelingt es dem Blasenmuskel manchmal nicht, sämtlichen Urin zu entleeren. Diese inkomplette Blasenentleerung kann zu einem vermehrten Wasserlassen kleinerer Urinportionen und lästigem nächtlichen Wasserlassen führen. 

LN: Muss eine Prostatavergrößerung behandelt werden? 

PD Dr. Füllhase: Da die Prostatavergrößerung in den meisten Fällen gutartig ist, muss sie nicht zwangsläufig behandelt werden. Entscheidend darüber, ob behandelt werden sollte, ist meist der individuelle Leidensdruck des Patienten. Aber Vorsicht: Manche Patienten verspüren keine Beschwerden durch die vergrößerte Prostata, auch wenn diese zu Restharn führt. Im Extremfall kann der schleichende Harnverhalt zu einem Rückstau bis in die Nieren und somit zu einem Nierenversagen führen. Ich rate jedem älteren Mann, sich einmal jährlich urologisch untersuchen zu lassen.


LN: Kann man vorbeugend etwas tun?

PD Dr. Füllhase: Nein. Da die gutartige Prostatavergrößerung auf altersabhängigen Umbauprozessen beruht, lässt sie sich kaum verhindern. Die medikamentöse Vorsorge, etwa durch Hormonersatztherapie, ist wissenschaftlich nicht ausreichend belegt und wegen der erheblichen Nebenwirkungen beim Mann nicht empfohlen. Unsere heutigen Ernährungsgewohnheiten und Lebensumstände führen zu vielen Zivilisationskrankheiten, beeinflussen aber kaum die Entwicklung einer Prostatavergrößerung. Eine gesunde Lebensweise ist aber aus medizinischer Sicht immer zu empfehlen.

LN: Hat das auch etwas mit bösartigem Prostatakrebs zu tun?

PD Dr. Füllhase: Nein, die gutartige Prostatavergrößerung darf nicht mit dem bösartigen Prostatakrebs verwechselt werden. Die gutartige Prostatavergrößerung ist eine Volkskrankheit und betrifft sehr viele Männer. Prostatakrebs ist ein sehr häufiger bösartiger Tumor, jedoch deutlich seltener als die gutartige Vergrößerung. Auch ist die Behandlung eines Prostatakrebses eine ganz andere als die bei der gutartigen Prostatavergrößerung. Da Prostatakrebs die häufigste bösartige Neubildung bei Männern in Deutschland ist, wird jedem ab dem 45. Lebensjahr eine regelmäßige Prostatakrebsfrüherkennungsuntersuchung empfohlen.

LN: Wie behandelt man die gutartige Prostatavergrößerung heutzutage?

PD Dr. Füllhase: In der Regel wird bei Bedarf zuerst ein Medikament verordnet, das die Prostata weiterstellt, sodass der Urin wieder besser fließen kann. Falls dies nicht oder eines Tages nicht mehr ausreicht, empfiehlt man eine Operation. Im Gegensatz zu früher gibt es heute zahlreiche verschiedene Operationsmethoden: Stentverfahren, Wasserdampf- und Wasserstrahltechniken, radiologische Embolisationstechniken, Laserverdampfung und Laserausschabung sowie die Abtragung mittels Elektroschlinge. Man kann sagen, dass es kein bestes Verfahren gibt – jede Methode hat Vor- und Nachteile. Meist bedeutet ein schonenderes minimal-invasives Verfahren weniger Effizienz hinsichtlich der Dauerhaftigkeit des OP-Erfolges. Jeder Patient bringt eigene Voraussetzungen mit wie Begleiterkrankungen, Alter, Gewicht, Narkosefähigkeit und weiteres mehr. Ein moderner Ansatz ist, dass man jedem Patienten individuell die für ihn geeignetsten Medikamente oder OP-Verfahren empfiehlt.
  

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