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15:58 26.05.2021
Bei einer Asbestsanierung darf nur eine zugelassene Fachfirma tätig werden. Heimwerker sind dagegen fehl am Platz. Foto: Bernard MAURIN

Es passiert oft: Mieter vereinbaren mit ihren Vermietern, dass sie den alten Bodenbelag ihrer Wohnung selbst entfernen. Doch beim Abriss kommen darunter zerbrochene Platten zum Vorschein – das könnte Asbest sein.

Erst 1993 wurde der krebserregenden Baustoff in Deutschland verboten. Zuvor war Asbest jahrzehntelang als billiger brandhemmender, wärmedämmender und säurebeständiger Stoff beliebt und wurde vielfältig verbaut: in Fassadenplatten, Dachpappe und -platten, Bodenbelägen und sogar in Putz, Fliesenkleber oder Spachtelmasse. Gefährlich wird Asbest erst beim Aufbrechen, Abschleifen oder Abreißen, wenn zuvor fest verbundene Fasern freigesetzt werden. Meist ist es für Mieter nicht leicht zu ermitteln, ob sie es mit Asbest zu tun haben. Jedoch haben Mieter im Zusammenhang mit Asbest Rechte:

Auskunftsrecht: Der Vermieter ist zu einer verbindlichen Auskunft verpflichtet. Am besten sollte die Anfrage schriftlich gestellt werden. Falls der Vermieter nicht reagiert oder die Auskunft verweigert, können Mieter selbst ein Institut beauftragen, Proben zu nehmen. Bestätigt sich der Asbestverdacht, muss der Vermieter die Kosten für die Untersuchung erstatten.

Mietminderung: Eine Mietminderung ist zulässig, wenn eine Wohnung nicht mehr nutzbar ist, ohne die Gesundheit zu gefährden. Der Mieter muss den Vermieter schriftlich über den Mangel informieren und auffordern, ihn zu beseitigen. Eine Mietminderung von zehn Prozent gilt als angemessen (Landgericht Berlin, Az.: 65 S 419/10).

Asbestbeseitigung: Bei beschädigten Asbest-Materialien haben Mieter Anspruch auf die unverzügliche Beseitigung durch den Vermieter. Schwieriger sieht es bei der Beseitigung von fest gebundenem Asbest aus, also von intakten Bodenplatten. „Bei noch intaktem Asbest erscheint ein Mängelbeseitigungsanspruch des Mieters letztlich nicht durchsetzbar, da nach bisherigen Erkenntnissen eine Gefährdung des Mieters nicht vorliegt“, sagt die Beate Heilmann (Deutschen Anwaltverein (DAV)).


"20 Prozent aller Bauwerke in Deutschland enthalten Asbest."

Schätzung des Bundesumweltministeriums


Sanierungsmaßnahmen: Eine Asbestsanierung darf nur von einer zugelassenen Fachfirma vorgenommen werden. Wenn nicht nur ein Raum saniert werden muss, können Mieter für die Dauer der Sanierung eine Ersatzwohnung anmieten. Miet- und Umzugskosten muss der Vermieter tragen. Das gilt für alle Kosten im Zusammenhang mit der Asbestsanierung. Danach muss der Vermieter durch eine Messung der Raumluft sicherstellen, dass keine Asbestfasern in der Wohnung sind.

Schadenersatz: Hat ein Vermieter die genannten Pflichten verletzt, hat der Mieter Schadenersatz- oder Schmerzensgeldansprüche. Er muss aber den Zusammenhang zwischen der Pflichtverletzung des Vermieters und dem konkreten gesundheitlichen Schaden beweisen können.

Warnung: Nach Auffassung des Mieterbundes müssen Vermieter ihre Mieter vor Asbest warnen, auch wenn dieser fest verbaut ist. Altern die Materialien oder gehen zu Bruch und werden dabei Fasern frei, müsse fachgerecht saniert werden, sonst sei Schmerzensgeld fällig.

Bestätigung: Sollte man sich die Asbestfreiheit der Wohnung schriftlich bestätigen lassen? „Damit läge eine zugesicherte Eigenschaft vor, für die der Vermieter sogar verstärkt eintreten müsste“, sagt Heilmann. Daher ist es fraglich, ob der Vermieter sich dazu bewegen lässt. dpa
           

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